Nr. 100 - März 2009 - Arbeitsstelle Weltkirche

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Nr. 100 - März 2009 - Arbeitsstelle Weltkirche

Nr. 100 | März 2009

Rundbrief

mission

an die Missionare/innen und mazler/innen aus dem Bistum Regensburg

Forward, always forward, everywhere forward –

Weiter, immer weiter, überallhin weiter

Liebe Missionarinnen und Missionare,

liebe MaZlerinnen und MaZler,

Louis Braille (Erfinder der 6-Punkt-Blindenschrift), Felix

Mendelssohn Bartholdy (Komponist), Charles Darwin

(Naturforscher) und Abraham Lincoln (US-amerikanischer

Präsident) – sie alle haben etwas mit dem

oben abgebildeten Erzabt Bonifaz Wimmer aus dem

niederbayerischen Thalmassing gemeinsam: Im Jahr

2009 wird ihres 200. Geburtstages gedacht.

Nun spielt Erzabt Bonifaz sicher nicht in derselben

Liga, wie ein Charles Darwin, doch die Folgen seines

Lebens sind ebenso bis heute erlebbar und fassbar.

Denn der Sohn eines Tafernwirts gehört zu den Missionspionieren

des 19. Jahrhunderts und schaffte es, den

Benediktiner-Orden in die „Neue Welt“ zu verpflanzen.

Ihm sind die Gründungen von 7 Benediktiner-Abteien,

150 Benediktiner-Pfarreien und 75 benediktinisch

geprägten Schulen zu verdanken, allen voran die St.

Vincent Archabbey (Latrobe/Pennsylvania), als erste


2

Rundbrief mission

Benediktiner Abtei in den Vereinigten Staaten sowie

die Gründung der „Amerikanisch-Cassinensischen

Kongregation“.

Sebastian Wimmer wurde 1809 in Thalmassing geboren

und 1831 nach dem Studium der Theologie am

Herzoglichen Georgianum in München in Regensburg

zum Priester geweiht. Da die Diözese damals

mehr Priester als Pfarrstellen hatte, wurde Wimmer

zunächst Seelsorger in Altötting von wo aus er 1832

in das eben erst wiederbegründete Kloster Metten

eintrat. Bei seiner Profess erhielt er den ordensnamen

Bonifaz . Er entwickelte sich zu einem unermüdlicher

„Projekte-Macher“: So wollte er u.a. das Kloster Mallersdorf

als ordenseigene Schule und Seminar für den

Ordensnachwuchs wieder errichten.

Zum entscheidenden Projekt seines Lebens entwickelte

sich jedoch die Idee, nach Nordamerika auszuwandern

und mit Hilfe von zu gründenden Benediktiner-Klöstern

die katholische Missionsarbeit dort zu unterstützen.

Nach langem Widerwillen und aufgrund der Hartnäckigkeit,

mit der P. Bonifaz sein Ziel verfolgte, erlaubte

schließlich der Abt von Metten die Ausreise. Damit begann

ein neues Kapitel in der langen Ordensgeschichte

der Benediktiner. Der wohl entscheidende Schritt erfolgte

1855 mit der Erhebung der Klostergründung

zur eigenständigen Abtei und der Ernennung von P.

Bonifaz Wimmer zum ersten Abt.

Schwierigkeiten bei der Ankunft in New York (1846)

und der Suche nach einem geeigneten Ort für die

Klostergründung, Konflikte mit Bischof O‘Connor

von Pittsburgh bezüglich des rechtlichen Status der

Gründung und der Errichtung einer Brauerei (für

bayerische Benediktiner eine nicht unwesentliche

Einnahmequelle), Spaltungsversuche innerhalb der

Klostergemeinschaft, „Visionen“ eines Mitbruders, mühevolle

Reisen quer durch die USA sowie jahrelange

Diskussionen mit Rom ließen ihn nicht entmutigen:

„Forward, always forward, everywhere forward“ war

sein Motto, dem er bis zu seinem Tod am 8. Dezember

1887 treu blieb.

Im Jahr seines Todes schrieb Erzabt Bonifaz:

,,Dem Tode nah und langsam sterbend, denke ich

natürlich ziemlich oft an die vergangenen Tage

und frage mich, wie die Dinge den Weg genommen

haben, den sie nahmen. Keiner glaubte uns

fähig, irgendetwas Bedeutendes zu vollbringen,

und doch haben wir etwas vollbracht. Gottes

Gnade war offensichtlich mit uns. Unser Hauptziel

die Errichtung des Ordens in Amerika ist erreicht

worden. Und unser zweites größeres Vorhaben

einen ausreichenden Klerus für unsere deutschen

Katholiken auszubilden und bereitzustellen ist auf

gutem Weg ... Für viele hatten unsere Gründungen

ernsthafte Fehler. Aber das konnte nicht anders

sein ohne ein Wunder, und ich glaube fest daran,

dass es besser gemacht werden kann, wenn erst

eine feste Ordnung in unseren Abteien und Prioraten

eingeführt ist.

Deshalb wollen wir nicht halbherzig oder entmutigt

werden. Viel lieber wollen wir zuversichtlich

und mutig weiterarbeiten, so gut wir können. Insofern

die Dinge so weit gediehen sind allein mit

der offensichtlichen Unterstützung und Gnade

Gottes, so dürfen wir nicht in Zukunft Erfolg von

uns selbst erwarten, sondern wieder allein von der

Gnade und Unterstützung Gottes, der uns nicht

zugrundegehen lässt, solange wir nicht für uns

selbst, sondern für ihn, für seine heilige Kirche, für

den Orden, und für die Seelen arbeiten.“

(Jerome Oetgen, An American Abbot, 295)

Der 200. Geburtstag von Erzabt Bonifaz Wimmer lädt

uns ein, das Heute im Wissen um unsere Geschichte

besser zu gestalten für eine Zukunft, die für alle Menschen

lebenswert ist. Dies gilt für unseren Glauben,

für die Kirche und für die Welt. Möge Sie dazu die

kommende Feier von Leiden, Tod und Auferstehung

unseres Herrn stärken.

Und so wünschen wir Ihnen und Ihren Mitschwestern

und Mitbrüdern ein gesegnetes Osterfest!

Seien Sie, liebe Missionarinnen und Missionare bzw.

MaZlerinnen und Mazler herzlich aus Ihrem Heimatbistum

Regensburg gegrüßt – wo immer Sie den

RUNDBRIEF MISSION erhalten und lesen.

Prälat Peter Hubbauer

Seelsorgeamtsleiter und Referent für Weltkirche

Hagen Horoba

Leiter der Arbeitsstelle Weltkirche

Claudia Gottwald

Mitarbeiterin in der Arbeitsstelle Weltkirche

Inhalt

Bischof Joachim Ouédraogo zu Gast 3

Wir überleben, aber es ist hart! 4

Missionare/innen in aller Welt 4

Mit Leidenschaft für Christus 5

Heimaturlaubertreffen und Studienwoche 2009 11

Kommen Sie vorbei! 11


Rundbrief mission 3

Vom Klimawandel direkt betroffen / MISEREOR-Fastenaktion 2009

Bischof Joachim Ouédraogo zu Gast in Regensburg

Von Hagen Horoba / MISEREOR

„Als Botschafter eines Landes das vom Klimawandel

betroffen ist, bin ich nach Deutschland gekommen, um

zu mehr Solidarität zwischen dem Norden und Süden

unserer Erde aufzurufen“, so stellte sich der Bischof

der Diözese Dori in Burkina Faso, Joachim Ouédraogo,

den Menschen im Bistum Regensburg vor. Im Rahmen

der MISEREOR-Fastenaktion besuchte er Schulen und

Pfarreien in Regensburg und in den Dekanaten Frontenhausen-Pilsting

sowie Dingolfing. Dabei machte

er das Motto der diesjährigen Fastenaktion Gottes

Schöpfung bewahren - damit alle leben können ganz

anschaulich und lebensnah deutlich.

Bei einem Treffen mit dem Bischöflichen Beauftragten

für MISEREOR im Bistum Regensburg, Dompropst

Dr. Wilhelm Gegenfurtner, und Hagen Horoba, dem

Leiter der Arbeitsstelle Weltkirche, berichtete Bischof

Ouédraogo von den Bemühungen in seiner Diözese,

die Lebensqualität der Menschen in Burkina Faso zu

verbessern und deren Ernährungssicherheit zu gewährleisten.

Wichtiger Träger dieser Anstrengung ist

die von Christen und Muslimen gleichermaßen getragene

Union Fraternelle des Croyants de Dori – UFC

(Geschwisterliche Vereinigung der Gläubigen von

Dori). Vereint in der UFC setzen sich ihre Mitglieder

in Dori – ein Gebiet von der Größe Hessens mit etwa

700 000 Einwohnern – gemeinsam dafür ein, die weitere

Zerstörung ihrer Heimat zu verhindern und ihre

Lebensbedingungen zu verbessern.

Noch 1850 schrieb der Afrikaforscher Heinrich Barth

nach seinem Besuch in Dori von dichtkronigen Bäumen,

Finken, Tauben, Affen und Löwen, die reichlich

Wasser fanden. 100 Jahre später ist das Land verdorrt

und verwüstet. Dürreperioden, wie die von 1968 bis

1973, machen Mensch und Vieh das Leben dort fast

unmöglich. Dieses ehemals grüne Paradies wurde zu

einer trockenen Wüstenlandschaft. Die Ursachen sind

komplex: Überbevölkerung, Übernutzung der Böden,

Abholzung sowie globale Klimaveränderungen wirken

gemeinsam.

Die Union Fraternelle des Croyants de Dori (UFC),

wurde gegründet aus der Erfahrung heraus, dass nur

in gemeinsamer Anstrengung der Kampf gegen Dürre

und Hunger gewonnen werden kann. Um die Wüste

aufzuhalten, braucht es umfassende Maßnahmen, die

erst zum Erfolg führen, wenn sie ineinander greifen.

Künstlich angelegte tiefe und große Teiche (Rückhaltebecken)

sammeln in der Regenzeit Wasser, mit dem

Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner , Bischof Joachim

Ouédraogo und Hagen Horoba.

Bild: Bischöfliche Pressestelle

Gärten in den Trockenmonaten bewässert werden

können. Kleine Dämme halten das Regenwasser auf,

sodass es nicht schnell oberflächig abfließt, sondern

langsam in den Boden einsickert und so den Grundwasserspiegel

anhebt. Durch Aufforstung und einen

naturgerechten Acker- bzw. Gartenbau wird verhindert,

dass der fruchtbare Boden einfach weggeweht

oder weggeschwemmt wird. Natürlicher Dünger

schützt den Boden vor Austrocknung und gibt ihm

gleichzeitig wichtige Nährstoffe. Deutlich ist der

Bewusstseinswandel hin zu einer nachhaltigen Agroforstwirtschaft

zu spüren.

Gedankenloser Raubbau an der Natur - das soll der

Vergangenheit angehören. Es ist ein guter Anfang

gemacht. Aber es wird noch lange dauern, bis aus

der trockenen Sahelzone wieder ein grünes Paradies

geworden ist.


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Rundbrief mission

Stimmen aus der Weltkirche

Wir überleben, aber es ist hart!

Von Pater Alfons Brunner, CMM, Zimbabwe – aus der Pfarrei Oberviechtach

Wir sind noch am Leben, brauchen noch nicht zu hungern

wie andere im Land, ca. 5 Millionen, auch wenn

manches nicht mehr auf den Tisch kommt. Die Leute

in Deutschland und anderswo haben ihre Sorgen, aber

hier geht es auf Leben und Tod. Letzte Woche war

Dr. Rupert Neudeck, der Gründer von Cap Anamur,

hier bei uns, um sich zu informieren über die Lage. Er

nannte unser Haus eine Oase in der zusammenbrechenden

Welt von Zimbabwe. Aber er hat Hoffnung.

Er möchte nach der Mugabe Ära mit uns Mariannhillern

etwas tun.

Die Krankenhäuser sind praktisch geschlossen, weil

keine Medizin, kaum Ärzte und Pflegepersonal da sind.

Und jetzt noch die Cholera-Epidemie! An die 3.000

Tote bereits und ca. 50.000 Infizierte. Die Epidemie war

vorauszusehen, weil die Abwassersysteme in Harare

schon länger, in Byo und anderen Städten seit einiger

Zeit, nicht mehr funktionieren und die stinkende Brühe

auf den Straßen dahin läuft. Keiner tut etwas! Es

ist nicht zu glauben! Das neue Schuljahr hätte am 13.

Januar beginnen sollen, wurde verschoben auf den

27. Und jetzt heißt es am 7. März! Es sind kaum noch

Lehrer da, keine Lernmittel, die Prüfungen vom letzten

Jahr noch nicht korrigiert! Alles bricht zusammen! In

einigen Geschäften sind die Regale wieder voll, aber

es muss in ausländischer Währung bezahlt werden.

Der normale Sterbliche hat die US Dollars nicht. Und

die Preise sind 3 x höher als in den Ursprungsländern.

Viele Politiker und Geschäftsleute profitieren davon

und können gut leben. Seit den ersten Wahlen im März

2008 haben wir keine funktionierenden Regierung und

es ist keine Lösung in Sicht! Da ist eine kurze Schilderung

der Lage hier. Wir überleben, aber es ist hart!

Missionare/innen der Diözese Regensburg in aller Welt

AFRIKA

Angola 1

Elfenbeinküste 1

Ghana 1

Kenia 1

Dem. Rep. Kongo 3

Malawi 1

Mozambique 1

Namibia 1

Ruanda 1

Südafrika 30

Tanzania 6

Uganda 1

Zambia 3

Zimbabwe 13

ASIEN und OZEANIEN

Australien 2

Indonesien 1

Japan 2

Malaysia 1

Papua N. Guinea 3

Philippinen 1

Südkorea 2

Taiwan 1

SÜDAMERIKA

Argentinien 6

Bolivien 6

Brasilien 16

Chile 10

Ecuador 1

Kolumbien 2

Peru 2

Uruguay 1

EUROPA

Belgien 2

England 3

Frankreich 1

Italien 3

Norwegen 1

Österreich 8

Rumänien 2

Schweden 2

Schweiz 1

NORDAMERIKA

USA 6

29 Missionarinnen und Missionare arbeiten in den

Ländern des Nordens, davon sind 1 Bischof em., 1 Diözesanpriester,

6 Patres, 3 Fratres, 17 Schwestern und

1 Entwicklungshelfer.

Derzeit (Stand: 15. 3. 2009) arbeiten 150 Missionarinnen

und Missionare aus der Diözese Regensburg

in aller Welt:

121 Missionarinnen und Missionare arbeiten in den

Ländern des Südens, davon sind 5 Bischöfe (4 em.), 12

Diözesanpriester, 19 Patres, 6 Fratres, 74 Schwestern

und 5 Entwicklungshelfer/Laienmissionare.

6 Bischöfe (5 em.), 13 Diözesanpriester, 25 Patres,

9 Fratres, 91 Schwestern und 6 Entwicklungshelfer/

Laienmissionare.

Desweiten arbeiten derzeit 6 junge Menschen als

Missionar/in auf Zeit in den Ländern des Südens.


Rundbrief mission 5

Das Zeugnis Regensburger Missionarinnen und Missionare in aller Welt

Mit Leidenschaft für Christus

Mit einem Jubiläumsjahr gedenkt die Gemeinde Thalmassing ihres berühmten Sohnes, Erzabt Bonifaz Wimmer, der vor 200

Jahren dort geboren wurde. Eine der Veranstaltungen im Rahmen dieser Feierlichkeiten war ein Vortragsabend, bei dem

Ernst Schütz vom Gymnasium der Abtei Metten – das Mutterkloster der von Erzabt Bonifaz Wimmer in den USA gegründeten

Abtei St. Vincent – die Biografie des Missionspioniers referierte. Ergänzend dazu stelle Hagen Horoba, Leiter der Arbeitsstelle

Weltkirche, in einem Vortrag das Wirken von Wimmer in Bezug zu anderen Missionarinnen und Missionaren aus dem Bistum

Regensburg. Seinen Vortrag drucken wir in einer leicht überarbeiteten Fassung.


Von Hagen Horoba

In hoc signo vinces –

IN diesem Zeichen wirst du siegen

Diese Worte sah, der Legende nach, Kaiser Konstantin

in einem Traum vor der Schlacht an der Milvischen Brücke.

Er ließ daher angeblich Kreuze auf die kaiserlichen

Fahnen anbringen und gewann die Schlacht, die die

so genannte Konstantinische Wende einleitete, die

schließlich den christlichen Glauben im römischen

Reich erlaubte. In hoc signo vinces – diese Worte

finden sich allerdings auch noch bei einem anderen

Menschen: Es sind die Worte des Wahlspruchs, den

sich P. Bonifaz Wimmer gab, als er 1855 zum Abt ernannt

wurde.

Wir mögen ein Unbehagen spüren beim Wort „siegen“,

denn es passt nicht in unser heutiges Gefühl

von Glaube und Religion. Uns geht es ja vielmehr darum,

von einer Sache, von jemanden oder eben vom

Glauben überzeugt zu sein, ihn als hilfreich für unser

Leben zu erfahren, ja als etwas, was unser Leben lebenswert

macht und was es trägt. Doch weder das

Wort „siegen“ noch unser „überzeugt sein“ stehen im

Zentrum des Mottos, sondern ein anderes, allerdings

unausgesprochenes Wort: Das des Kreuzes. Denn in

hoc signo – also in diesem Zeichen – wirst du siegen.

Der alte christliche Hymnus „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz

ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“ drückt aus, worum

es eigentlich geht: Nur im Blick auf das Kreuz und den,

der sterbend an ihm seine Arme ausgebreitet hat,

werden wir den Glauben als lebenswert erfahren, als

etwas, was unserem Leben seinen Sinn gibt. Das Kreuz

ist von daher ein Zeichen für den Glauben im Ganzen,

und dies gilt vor allem, wenn es darum geht, Menschen

in den Blick zu nehmen, die ihr Leben im Glauben

an Christus den Gekreuzigten und Auferstandenen

führten und dafür vor Opfern und Enttäuschungen

nicht zurück schreckten.

Erzabt Bonifaz Wimmer (1809 – 1887) war so ein

Mensch. Wenn er auch erst als Gründer der St. Vincent

Abbey in Pennsylvania und ihrer Tochterklöster in die

Annalen einging, so war er doch zunächst Priester

des Bistums Regensburg – was so etwas wie meine

Daseinsberechtigung an diesem Abend hier ist. Denn

als Leiter der Arbeitsstelle Weltkirche der Diözese Regensburg

bin ich für Missionarinnen und Missionare

zuständig, die aus unserem Bistum stammen. 150

Missionarinnen und Missionare, die aus der Diözese

Regensburg stammen, wirken heute in aller Welt, die

meisten von ihnen als Ordenschristen. Von daher sind

mir die Orden vertraut, besonders die Benediktiner

und in gewisser Weise auch Erzabt Bonifaz Wimmer.

Denn wie er, so habe auch ich in meinem Leben ein

kurzes Intermezzo in der Abtei St. Stephan zu Augsburg

eingelegt – ich jedoch nicht als Mönch. Ob ich

allerdings jemals dort eingetreten wäre, wenn ich

schon damals Erzabt Bonifaz Wimmer gekannt hätte,

mag ich bezweifeln. Sein Aufenthalt in Augsburg war

ja eine Folge königlicher Politik und sowieso: In Augsburg

„gibt es keinen monastischen Geist, die Klausur

wird regelmäßig verletzt, Frauen besuchen die Gänge

des Klosters und sogar die Zellen der Mönche“ 1 – so

zumindest die Einschätzung von Wimmer.

Forward, always forward ist ein vielzitierter Ausspruch

von Erzabt Bonifaz. Zugleich ist dieses „Weiter,

immer weiter“ ein Lebensmotto, dem ich zusammen

mit meiner Mitarbeiterin in der Arbeitsstelle Weltkirche,

Frau Gottwald ganz konkret begegne, wenn wir

Missionarinnen und Missionare treffen. Uns bewegen

dann zutiefst ihre Schilderungen: frohe Erlebnisse und

hoffnungsvolle Momente, die uns zum Lachen bringen,

aber auch Erfahrungen von bitterer Not, die uns

nachdenklich und demütig werden lassen. Und wir

merken immer wieder, dass angesichts des Alters der

heutigen Missionarinnen und Missionare vieles von


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Rundbrief mission

dem, was sie erlebt haben in Vergessenheit geraten

wird, wenn es nicht aufgeschrieben und bewahrt wird.

Ihre Geschichten werden einmal – wie die Erlebnisse

von Bonifaz Wimmer – zur Geschichte. Mit dem Unterschied,

dass sein Leben in Büchern niedergeschrieben

ist und anlässlich der Feier seines 200. Geburtstags sogar

mit einem Jubiläumsjahr erinnert wird.

um in Südafrika mit der Missionsarbeit zu beginnen.

„Drei Wochen später, am 24. Januar morgens, lagen

wir im Morgengrauen vor Durban“, erinnert sich die

Schwester, die am 16. Januar 2009 in Südafrika ihren

89. Geburtstag feierte.

Das ist gut so, weil ein Blick zurück uns persönlich

und der Kirche insgesamt für heute und die Zukunft

Orientierung und Hoffnung geben kann – gerade in

Zeiten des Umbruchs. Wir müssen heute keinen Sieg

mehr davonzutragen wie Kaiser Konstantin. Unser

Glaube aber braucht – vielleicht gerade heute – eine

ständige Erneuerung in hoc signo, eine Vertiefung,

neues Leben und Überzeugung. Denn von ihm dürfen

und sollen wir auch heute „jedem Rede und Antwort

zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die (uns) erfüllt.“

(1 Petr, 3,15)

Diese Hoffnung erfüllt auch die Missionarinnen und

Missionaren. Wenn wir ihnen begegnen, dann überkommt

uns jedoch noch ein anderes Gefühl: tiefer

Respekt vor der Lebensleistung. Denn was Menschen

in einem Alter leisten, das weit über dem deutschen

Rentenalter liegt, unter welchen Lebensbedingungen

sie arbeiten und welcher Not sie begegnen, lässt uns

immer wieder nur staunen: Warum tut ein Mensch

sich so etwas an?

Die Gründe sind vielschichtig. Ein wenig will ich ihnen

nachzuspüren und anhand von drei Stichworten einen

Blick auf das Leben von Erzabt Bonifaz Wimmer und

in die Geschichte der Mission im Bistum Regensburg

wagen.

Begeisterung

„Gott sich verbinden, Glückliches finden.

Gott sich vermählen, Glückliches wählen.

Lass dich nicht irren, blenden verwirren.

Alles vergeht, Gott nur besteht.“ 2

Diese Worte klingen heute vielleicht etwas schwülstig,

aber sie waren es, die in den 40er Jahren des letzten

Jahrhunderts dem Leben einer Frau aus Riedenburg

eine völlig neue Richtung gaben. Für Sr. Sola Schaumann

(* 1920) waren diese Worte der Grund, zu den

Mallersdorfer Schwestern zu gehen und ein Leben als

Ordensfrau zu beginnen. Dieser Text sorgte für eine

Entscheidung. „Der hat gepasst, der hat den Nagel

auf den Kopf getroffen“, erzählte sie einmal selber. Im

Kloster hat sie dann die Krankenpflegeschule besucht.

Nach einigen Jahren Arbeit im Krankenhaus in Fürstenzell

bei Passau, kam dann im Jahr 1955 die Chance, in

die Mission zu gehen. „Mission hat mich begeistert“, so

die damals 35-Jährige, die am 5. Januar 1955 als eine

der ersten vier Mallersdorfer Schwestern aufbrach,

Sr. Sola Schaumann (Mitte) im Kreis von Missionarinnen und

Missionaren in Südafrika.

Foto: Horoba

Etwa 250 Jahre zuvor erging es einem anderen

Menschen aus unserem Bistum ganz ähnlich: dem

Franziskanerpater Liberatus Weiß (1675 – 1716).

Auch bei ihm löste ein eher zufälliges Ereignis eine

Begeisterung für die Mission aus, die ihn einmal das

Leben als Märtyrer kosten wird.

Jahrhundertelang nämlich versuchten die Päpste in

Rom mit Äthiopien – einem seit dem 4. Jh. christlichen

Land – zu einer Union im Glauben zu kommen. Hintergrund

für ein solches Bemühen war die theologische

Frage ob Jesus Christus ,nur Gott‘ oder ,Gott und

Mensch‘ war. Völlig überraschend ließ sich 1702 der

äthiopische König von Gonder und der Generalabt der

äthiopischen Mönchen für die Union gewinnen. Dieses

eher zufällige Ereignis löste unter den Franziskanern

eine Begeisterung für die Mission in Äthiopien aus.

Unter den Freiwilligen, die sich dafür meldeten war

auch der 1675 in Konnersreuth geborene P. Liberatus

Weiß. Er war wie andere auch von einer Begeisterung

für Äthiopien angesteckt.

Ein erster Missionsversuch scheiterte jedoch 1709 kläglich:

„Wir standen da ohne Geld, ohne Lebensmittel,

ohne jede menschliche Hilfe, nackt, ausgehungert,

verachtet und gescheut von allen. Wir wären dort


Rundbrief mission 7

unter tausenderlei Elend und Verfolgung zugrunde

gegangen wie elende Schäferhunde, wenn nicht zwei

Araber uns aufgenommen und uns etwas Geld geliehen

hätten, damit wir überhaupt unser Leben noch

erhalten und mit ihnen nach Ägypten heimkehren

konnten.“ 3 – wo P. Liberatus 1710 mit lediglich einem

der verbliebenen Missionare ankam. Äthiopien hatten

sie nicht erreicht.

Die römische Missions-Kongregation „Propaganda

Fide“ gab ihm jedoch schon 1711 den ausdrücklichen

Auftrag einen neuen Versuch zu starten. So brach er

wieder auf, diesmal allerdings auf dem Seeweg. 1712

erreichte er zusammen mit einer Gruppe von Missionaren

äthiopischen Boden. Die Missio schien zu

glücken, denn endlich standen die Missionare dem

König von Gonder gegenüber – doch nicht dem erhofften

König Yasu. Dieser war bereits 1707 gestorben.

Der neue König Yostos empfing zwar die Missionare

und war ihnen persönlich gewogen, doch untersagte

er ihnen, den katholischen Glauben öffentlich zu predigen.

Die Missionare arbeiteten jedoch im Stillen und es

gelang ihnen, immer mehr Äthiopier und auch König

Yostos für den katholischen Glauben zu begeistern.

Dagegen formierte sich heftiger – teils auch gewalttätiger

– Widerstand in der äthiopischen Kirche und im

Volk. Als schließlich 1715 König Yostos bei einem Giftanschlag

gelähmt wurde, stellte sein Nachfolger die

Missionare vor Gericht. In einem von Tumulten begleiteten

Schauprozess wurden die drei Missionare zum

Tod verurteilt. Die angebotene Begnadigung – Konvertierung

zur äthiopischen Kirche und Beschneidung

– lehnten sie ab. Am 3. März 1716 wurden die drei vor

den Toren der Stadt Gonder gesteinigt. Aufgrund von

Zeugenaussagen griechische Kaufleute wissen wir von

ihrem grausamen Tod und Martyrium, das Grund dafür

war, dass Papst Johannes Paul II. den Oberpfälzer

P. Liberatus Weiß 1988 selig sprach.

Die Begeisterung von einst hat der sel. Liberatus Weiß

mit seinem Leben bezahlt. Für ihn war dies jedoch die

Konsequenz seiner Entscheidung. Denn „...ich habe bei

meinem Eintritt in den Orden des glorreichen heiligen

Franziskus auf alle irdischen Tröstungen verzichtet

und meinen Willen ganz in die Hände meiner Oberen

gegeben mit der Sehnsucht, mich selbst zu verleugnen

und nach Vollkommenheit der Seele zu streben.

So umfasse ich mit Tränen in den Augen das heilige

Kreuz und bete, dass derjenige mich durch dasselbe

für sich nehme, der sterbend durch das Kreuz mich

erlöst hat.“ – so P. Liberatus Weiß in einem Briefzitat

aus dem Jahr 1711 4 .

Begeistern ließ sich immer wieder auch Sebastian

bzw. Bonifaz Wimmer. Ob für das Studium in München

oder die griechische Freiheitsbewegung, der er

sich anschließen wollte. Und als er 1830 von der Wiedererrichtung

des Klosters Metten hörte, „fasste er die

Not des neuen Klosters als persönlichen Anruf auf und

entschloss sich zum Eintritt“. 5 Für den späteren Bonifaz

Wimmer war es „göttliche Vorsehung“ wie er einmal

in einem Brief darlegte, die ihn für ein gemeinschaftliches

Leben in einem Benediktinerkloster bestimmte.

Und mit seiner ihm eigenen Hartnäckigkeit setzt er

sich daran, diese Fügung mit großer Begeisterung

umzusetzen.

Schwester Sola Schaumann, der sel. Liberatus Weiß

und Bonifaz Wimmer – sie alle haben sich von einer

Begeisterung packen lassen, die ihr Leben völlig verändern

sollte. Sie sind aufgebrochen „bis an die Grenzen

der Erde“ (Apg 1,8) – und dies mit großer Neugier.

Neugier

Wir können uns heute kaum vorstellen, angesichts der

Allverfügbarkeit von Informationen über ferne Länder

welch ein Bild die Menschen in vergangenen Jahrhunderten

von fernen Ländern hatten. Was wussten

gewöhnliche Menschen im 19. Jh. von Afrika oder

auch von Amerika, wohin es gerade in dieser Zeit Hunderttausende

zog? Gewiss, Briefe und Reiseberichte

gab es auch damals und über das „Neue“ wurde auch

intensiv berichtet. Doch wie weit auseinander lagen

die berichteten Gegebenheiten von der Wirklichkeit,

die man nur erleben konnte, wenn man wirklich dorthin

reiste. Schwester Sola Schaumann beschrieb dies

– und das Mitte des 20. Jh.! – einmal so: „Wir haben

gedacht wir kommen in die Wildnis, aber das Erste,

das wir gesehen haben waren die Hochhäuser von

Durban, unglaublich!“

Bonifaz Wimmer ließ sich jedenfalls von solchen

Schilderungen beeindrucken, denken wir an den Reisebericht

des Wiener Kanonikers Josef Salzbacher,

der seine Eindrücke einer Reise durch Nordamerika

in einem Buch festhielt. Oder die folgenschwere persönliche

Begegnung mit P. Peter Lemke, der Wimmer

ermutigte als Missionar nach Amerika zu gehen. Ich

kann mir gut vorstellen, welches Hochgefühl die

Schilderungen bei Bonifaz Wimmer auslösten und in

Neugier umschlugen, die wohl mit zu den Grunddispositionen

für einen Missionar gehört.

Dass Erzabt Bonifaz damit wiederum nicht allein dasteht

zeigt das Beispiel eines anderen Regensburger

Benediktiners, den man zu Recht ebenfalls als Missions-Pionier

bezeichnen darf: Bischof Thomas Spreiter

OSB (1865 – 1944) aus Regensburg.

Auch er war Benediktiner, doch gehörte er anders als

Bonifaz Wimmer nicht der Bayerischen Benediktiner-

Kongregation an, sondern den Missionsbenediktiner

von St. Ottilien. Diese Ordensgemeinschaft hat ihren

Ursprung übrigens auch in der Diözese Regensburg,

entstammt sie doch der Sankt-Josefs-Missionsgenossenschaft

in Reichenbach/Opf., die von Pater Andreas


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Rundbrief mission

Amrhein gegründet wurde. Übrigens zog auch er sich

– wie Bonifaz Wimmer – den Ärger bzw. Neid des jeweiligen

Ortsbischofs zu. War es bei Wimmer Bischof

Michael O‘Connor von Pittsburgh, so war es bei P.

Amrhein der Regensburger Bischof Ignatius von Senestrey,

der die Eigenmächtigkeiten des Ordensmanns

gar nicht schätze. Wie dem auch sei, in St. Ottilien

schließlich gelang die Gründung der neuen Ordenskongregation

für die Mission. Und zu den ersten, die

Amrhein noch von Reichenbach aus folgten, gehörte

der Regensburger Thomas Spreiter. Was mich an ihm

beeindruckt ist seine Neugier für das Neue und Unbekannte,

das ihm in zwei völlig verschiedenen Kulturen

auf dem Afrikanischen Kontinent begegnete. Denn

Spreiter wirkte zunächst von 1900 – 1920 im damaligen

Deutsch-Ost-Afrika, dem heutigen Tansania. Als

Erstem Apostolischem Vikar von Dar es Salaam 6 ist es

seinem Wirken zu verdanken, dass der Katechismus

in Swahili übersetzt, Katechisten ausgebildet und

Schulen errichtet wurden. „Jedes Jahr unternahm er

eine Pastoral-Reise durch sein Missionsgebiet. Das

bedeutet, dass er bis zu 6 Monaten unterwegs war

und eine Entfernung von etwa 1500 km zu Fuß (sic!)

zurücklegte.“ 7

Deutsch Ost-Afrika von den Engländern übernommen

und 1920 musste er als deutscher Benediktiner das

Land verlassen.

Was nach einem Ende ausschaute wurde für Thomas

Spreiter jedoch zum Segen. Denn eine neue Mission

wartete auf ihn, die ihn an die Südspitze des afrikanischen

Kontinents führen sollte, genauer gesagt in

das Gebiet der Zulus im heutigen Südafrika. Spreiter

kam dort 1922 an, wo er zunächst erst einmal

Englisch lernen musste, was er allerdings nie so gut

sprechen konnte wie Swahili. Verständlich ist auch,

dass sich der damals 56-jährige Bischof mit Zulu noch

schwerer tat.

„Forward, always forward“ galt auch hier und zusammen

mit einer Gruppe von Benediktinern aus

Deutsch-Ost-Afrika und jungen Missionaren aus

Deutschland begann er, eine katholische Mission im

Zululand aufzubauen, wo zum damaligen Zeitpunkt

etwa 500 Katholiken lebten. Es war ein bescheidener

Beginn in einem Farmhaus: Eine Küche, eine Vorratskammer,

4 Räume – alles in allem 12,5 m x 11 m. Auch

die erste Heilige Messe in Inkama war ein bescheidener

Anfang. In seinem Tagebuch notierte Bischof Spreiter:

„15 Männer, 23 Frauen, 8 größere Kinder und 4 Babys

kamen in die Kirche...“.

Bischof Thomas Spreiter, der Erste Apostolische Präfekt

des Zulu-Landes und Erster Apostolischer Vikar von

Eshowe starb nach einem langen und erfüllten Leben

1944. Sein Werk jedoch wurde tatkräftig fortgesetzt. So

errichteten die Mönche 1949 ein massives Klostergebäude,

1953 wurde die imposante Kirche geweiht, und

schließlich wurde die Missionsstation Inkamana am

25. Februar 1982 zur Abtei erhoben. Heute leben dort

etwa 50 Benediktiner-Mönche, die die Mission von

Bischof Thomas Spreiter in KwaZulu-Natal fortsetzen.

Erst im letzten Jahr hat unser Bischof Gerhard Ludwig

zusammen mit den Regensburger Domspatzen eine

Reise dorthin unternommen, um für die Arbeit der

Regensburger in Südafrika zu danken.

Blick in die Kathedrale von Dar es Salaam mit dem Flügelaltar.

Auf Druck der Engländer musste der kaiserliche Reichsadler –

der Altar war ein Geschenk von Kaiser Wilhelm I. – durch eine

Heilig-Geist-Taube ersetzt werden.

Foto: Horoba

Bei einem Besuch in Tansania im vergangenen Jahr

konnte ich einige Orte besuchen, an denen Thomas

Spreiter wirkte u.a. die von ihm 1908 eingeweihte

Kathedrale mit dem vom damaligen deutschen Kaiser

gestifteten Flügelaltar. Leider bereitete der Erste

Weltkrieg dem Wirken von Thomas Spreiter und seinen

deutschen Mitbrüdern ein jähes Ende: 1916 wurde

Drei unterschiedliche Kulturen, vier verschiedene Sprachen

und eine Vielzahl von Herausforderungen haben

das Leben für Thomas Spreiter sicher nicht leicht gemacht.

Doch in ihm war eine ständige Neugier, das

Neue und Unbekannte zu entdecken – so wie bei Bonifaz

Wimmer, der sich weder von den ungünstigen

Bedingungen in Carrolltown abhalten ließ, noch vor

Expeditionen in den „Wilden Westen“ Amerikas zurück

schreckte.

Es wäre jedoch völlig zu kurz gegriffen, in Begeisterung

und Neugier die alleinigen Antriebe zu finden,

die missionarisches Wirken prägten. Hinter all dem

muss etwas anderes stehen, sonst würden die Schwierigkeiten

irgendwann sicher der Grund sein, alles

hinzuwerfen. Denn bei aller Begeisterung: Finanzielle


Rundbrief mission 9

Sorgen, Internierung, Ärger mit dem Bischof, politische

Repressalien und vieles mehr, all das kann ein Mensch

nur durchhalten und aushalten, wenn man im tiefsten

Inneren einen Grund hat, auf den man bauen kann:

den Glauben oder anders gesagt, eine Leidenschaft

für Christus, den Grund aller Hoffnung.

Leidenschaft für Christus

Bei wohl bei keinem anderen spüren wir diese Leidenschaft

so stark wie beim Apostel Paulus. Es mag

von daher eine glückliche Fügung sein, dass wir heuer

zeitgleich den 2000. Geburtstag des Völkerapostels

und den 200. Geburtstag von Erzabt Bonifaz Wimmer

feiern können – ein Umstand auf den der Abtprimas

der Benediktinischen Konföderation, Notker Wolf, in

seiner Predigt zur Eröffnung der Feierlichkeiten anlässlich

des 200. Geburtstags des Erzabtes in der Abtei St.

Vincent am 14. Januar 2009 hinwies. Denn beide sind

sich „... ähnlich in ihrem Eifer, ihrer Leidenschaft für

Christus, in ihrer strategischen Zielstrebigkeit, ihren

Ideen, ihren Sehnsüchten, ihren Kämpfen mit mancher

kirchlichen Autorität, ihrer Hartnäckigkeit, die

man auch als heiligen Starrsinn bezeichnen könnte, in

ihrer Ausdauer, Beharrlichkeit, in ihrem Leiden, Opfern

und den schlaflosen Nächten.“ 8

Erzabt Bonifaz Wimmer (1809 – 1887)

Ohne diese Leidenschaft für Christus, die sich gerade

bei Missionarinnen und Missionaren zeigt, gäbe

es kein Durchhalten in scheinbar ausweglosen Momenten,

wie sie z.B. der sel. Liberatus Weiß erlebt hat.

Aber auch das furchtbare Leiden der Menschen im

heutigen Südafrika unter der Pandemie AIDS lässt sich

für Schwester Sola Schaumann und ihre Mitschwe-

stern letztlich nur im Glauben, in der Leidenschaft für

Christus, aushalten.

Wie weit diese Leidenschaft für Christus gehen kann

zeigt uns neben Bonifaz Wimmer und anderen Missionarinnen

und Missionaren eine weitere Gestalt der

Regensburger Missionsgeschichte: Der in Amberg geborene

Jesuit Martin Schwarz (1721 – 1788).

Zu seiner Primiz erhielt P. Martin Schwarz einen Kupferstich

des Gnadenbildes der „Mutter mit dem geneigten

Haupt“. Eine Kopie dieses weit verbreiteten Gnadenbildes

befindet sich noch heute in der Klosterkirche

der Ursulinen in Landshut. Dieses Bild begleitete ihn

1753 bei seiner Ausreise in die Jesuiten-Mission im

Amazonas-Gebiet, wo er sich 1755 durch seine letzten

Gelübde endgültig an den Jesuiten-Orden band.

Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als in vielen europäischen

Ländern ein heftiger Kampf gegen die Jesuiten

begann. Als Träger vieler Bildungseinrichtungen und

Universitäten sollten die Jesuiten und damit auch

der Einfluss des Papstes aus dem öffentlichen Leben

verbannt werden. 1759 erwirkte die portugiesische

Regierung die Enteignung und Gefangennahme der

Jesuiten in Portugal und den portugiesischen Kolonien

erwirkte. So wurden auch die Jesuiten aus der Amazonas-Mission

zunächst interniert und ab September

1760 nach Europa zurückbefördert. Die Mühen langjähriger

Evangelisierung wurden somit zerschlagen.

Im Laufe mehrerer Jahre wurden 124 Jesuiten in einen

Kerker der Inselfestung Sankt Julian bei Lissabon eingeliefert.

17 Jahre wurden sie dort festgehalten ohne

Verhör und ohne Gerichtsverfahren. Unter ihnen Pater

Martin Schwarz mit dem Gnadenbild der „Mutter mit

dem geneigten Haupt“.

Das Jahr 1773 wurde zur härtesten Prüfung der Eingekerkerten:

Auf Drängen staatlicher Mächte hob Papst

Clemens XIV. den Jesuiten-Orden auf. In der Festung

St. Julian wurde diese päpstliche Entscheidung den im

Hof versammelten Jesuiten kundgetan, die Ordensgewänder

vom Leib gerissen und sie halb bekleidet in

die Zellen zurückgetrieben. Das persönliche Bekenntnis

zum Austritt aus dem Orden hätte den Einzelnen

Freiheit und Entlassung verschafft. Alle Gefangenen

aber blieben ihren Gelübden treu. Erst 1777 kam mit

dem Tod des portugiesischen Königs die Stunde der

Befreiung. Die 45 Freigelassenen brauchten Wochen,

bis sie sich wieder an das Tageslicht, die frische Luft

und normale Speisen gewöhnen konnten. Pater Martin

Schwarz, als 32-jähriger Missionar nach Brasilien ausgefahren,

kehrte nach 24 Jahren als 56-jähriger kranker

Mann am 31. August 1777 nach Amberg zurück. Das

Gnadenbild der „Mutter mit dem geneigten Haupt“,

das ihn während all der Jahre begleitete und ihm Kraft

gab, nahm er übrigens mit in die Heimat zurück.

In seinem Brief an die Gemeinde von Rom schreibt

der Apostel Paulus: „Weder Tod noch Leben, weder


10 Rundbrief mission

Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch

irgendeine andere Kreatur können und scheiden von

der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem

Herrn.“ (Röm 8, 38f.) Für mich hat P. Martin Schwarz

diesen Worten seinen ganz eigenen Sinn gegeben, er

hat sie mit seinem Leiden und seiner Leidenschaft für

Christus lebendig gemacht. Und mögen bei Bonifaz

Wimmer auch manche allzu menschlichen Beweggründe

mitgespielt haben, wie Eitelkeiten oder der

von Abtprimas zitierte „heilige Starrsinn“: Wäre all dies

nicht getragen von einem tiefen Glauben an Christus

und von einer Leidenschaft für ihn, es ließe sich nicht

erklären geschweige denn verstehen.

getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40) spricht

Jesus, der Herr.

Das Beispiel von Bonifaz Wimmer und der anderen von

mir vorgestellten Missionare möge uns Kraft geben,

unser Leben und unseren Glauben mit Begeisterung,

Neugier und Leidenschaft für Christus leben zu können

– unter dem Segen Gottes und zum Wohl des

Nächsten.

Was bleibt?

Der Blick in die Vergangenheit, den ich ihnen vorlegte,

sollte nicht der Befriedigung eines historischen Interesses

dienen dahingehend, das Gestern ausschließlich

besser zu verstehen zu können. Vielmehr soll das Erinnern

uns helfen, das Heute im Wissen um unsere

Geschichte besser zu gestalten für eine Zukunft, die

für alle Menschen lebenswert ist. Dies gilt für unseren

Glauben, für die Kirche und für die Welt. Für sie hat die

Kirche auch heute „... eine geistliche Sendung und einen

umfassenden Auftrag zum Heil der Menschen (vgl.

Lumen gentium 48; Ad gentes 1). Damit aber hat ihre

Sendung unweigerlich politische Konsequenzen. So

hat sie als Anwältin für die Menschenrechte, den Weltfrieden

und die größere Gerechtigkeit einzutreten.“ 9

Menschen wie Martin Schwarz, Sola Schaumann oder

Thomas Spreiter sind zu ihrer Zeit diesem Auftrag gefolgt.

Heute liegt es an uns – im Blick auf ihr Beispiel

– weder an der Kirche oder am Glauben irre zu werden,

noch die Hände in den Schoß zu legen oder uns

der Verantwortung für kommende Generationen zu

entziehen. Erzabt Bonifaz Wimmer und andere sind

uns vielmehr ein Beispiel dafür, die Zukunft selbst in

die Hand zu nehmen – auf unsere Weise, mit unseren

Mitteln, Fähigkeiten und Möglichkeiten.

Von Erzabt Bonifaz Wimmer stammt der vielzitierten

Satz: „Forward, always forward, everywhere forward.

We cannot be held back by debts, by the difficulties

of the times, by unfortunate years. Man's extremity is

God's opportunity – Weiter, immer weiter, überallhin

weiter. Wir können nicht zurück gehalten werden von

Zweifeln, von aktuellen Schwierigkeiten oder glücklosen

Jahren. Die Not des Menschen ist die Möglichkeit

Gottes.“ 10

Auch und vielleicht gerade heute fordert uns die Not

vieler Menschen heraus – nicht nur in fernen Ländern,

sondern auch bei uns um die Ecke. „Gottes Möglichkeit“

ist in diesem Fall unsere Reaktion auf diese Not,

denn „was ihr für einen meiner geringsten Brüder

Anmerkungen

1

Jerome Oetgen, An American Abbot, Latrobe 1976, 26 (Übersetzung d.

Verf.).

2

Gregor Tautz, Pflegerin und Lehrerin im Zululand (= Artikel im Donaukurier

vom 4.1.2008). Alle weiteren Zitate zu Sr. Sola Schaumann sind diesem Artikel

entnommen.

3

Werner Chrobak, Liberatus Weiß (1675-1716) in: Georg Schwaiger (Hg.), Lebensbilder

aus der Geschichte des Bistums Regensburg (Bd. 1), Regensburg

1989, 356-361, hier: 359.

4

Werner Chrobak, P. Liberatus Weiß, 361.

5

P. Roman Aigner OSB, Erzabt Bonifaz Wimmer – ein Benediktiner aus Thalmassing

als Pionier in Amerika, in: Gemeinde Thalmassing, 200. Geburtstag

von Erzabt Bonifatius Wimmer, Thalmassing 2009, 11-18, hier: 12.

6

Im „Deutschen Kolonial-Lexikon“ von 1920 (Band I, S. 285 f.) finden wir eine

akkurate Aufstellung: „Das apostolische Vikariat Dar es Salaam umfasst den

südlichen Teil von Deutsch- Ostafrika ... Seit 1906 ist man unter dem neuen

Bischof Thomas Spreiter an die Wiederherstellung des Zerstörten gegangen,

und augenblicklich steht die Mission wieder recht in Blüte. Im Jahre 1913 waren

in 16 Hauptstationen und 123 Nebenstationen 11609 Negerkatholiken,

310 europäische Katholiken, 370 Goanesen und 2033 Katechumenen gesammelt.

26 Patres, 39 Brüder und 53 Schwestern teilen sich in die Arbeit, 444 Katechisten

stehen ihnen zur Seite. In 439 Schulen werden 14998 Knaben und

7673 Mädchen unterrichtet; 356 Kinder sind in 18 Internaten untergebracht.

Die Mission leistet Bedeutendes für die Bodenkultur; in Kwiro beispielsweise

wurden in den letzten Jahren 3000 Stück Nutzholz angepflanzt. Seit 1910 erscheint

eine Monatsschrift für die Eingeborenen, Rafiki yangu, in Auflage von

mehr als 3000 Exemplaren ...“

7

Gottfried Sieber, Thomas Spreiter (1865-1944), Bischof in Ostafrika (1906-

1920) und Südafrika (1921-1944), St. Ottilien 2003, 345-350. Zitiert nach www.

inkamana.org/ohio/bischops.htm.

8

Notker Wolf OSB, Passion for Christ – On the occasion of the inauguration

of the bicentennial celebration of Archabbot Boniface Wimmer OSB, zitiert

nach: www.bonifacewimmer.org/notgerwolfalkjan14.lasso

9

Die deutschen Bischöfe: Allen Völkern sein Heil, Bonn 2004,15f.

10

www.bonifacdewimmer.org/quotes.lasso


Rundbrief mission 11

Heimaturlaubertreffen und Studienwoche 2009

Auch 2009 findet wieder ein Treffen der Missionarinnen

und Missionare auf Heimaturlaub statt. Schon

jetzt laden wir Sie alle sehr herzlich dazu ein. Wie im

vergangenen Jahr, findet das Treffen wieder im Haus

Werdenfels statt.

Hinweisen möchten wir Sie auch auf die Studienwoche

des Deutschen Kath. Missionsrates (DKMR) im Kloster

Reute, Bad Waldsee.

Termin

Mittwoch, 01.07.2009 bis Freitag, 03.07.2009

Termin

Dienstag, 14.07.2009 bis Dienstag, 21.07.2009

Anmeldung

Arbeitsstelle Weltkirche

Obermünsterplatz 7, 93047 Regensburg

Tel: +49 (0) 941 597-2607

Fax: +49 (0) 941 597-2600

E-Mail: weltkirche@bistum-regensburg.de

Anmeldung

Deutscher Kath. Missionsrat

Wittelsbacherring 9, 53115 Bonn

Tel: +49 (0) 228 68449-15

Fax: +49 (0) 228 68449-44

E-Mail: dkmr@orden.de

Kommen Sie in der ARBEITSSTELLE WELTKIRCHE vorbei

Sie kommen 2009 auf Heimaturlaub? Oder Sie sind

aus einem anderen Grund in Deutschland und in der

Region? Bitte geben Sie uns Bescheid. Wir freuen uns

wirklich sehr über jeden Besuch und jeden Kontakt.

Das Büro der ARBEITSSTELLE WELTKIRCHE befindet

sich im Diözesanzentrum Obermünster (ca. 5 Minuten

vom Hauptbahnhof entfernt).

Anmeldung

Arbeitsstelle Weltkirche

Hagen Horoba

Claudia Gottwald

Obermünsterplatz 7, 93047 Regensburg

Tel: +49 (0) 941 597-2607

Fax: +49 (0) 941 597-2600

E-Mail: weltkirche@bistum-regensburg.de


12 Rundbrief mission

Herzlichen Glückwunsch allen Jubilarinnen und Jubilaren

Datum Vorname Name Orden Land Heimatpfarrei Jubiläum

1. 5. Sr. Cornelia Doberaner OCist. Bolivien Abtei Seligenthal 75. Geb.

2. 5. Pfr. Franz-Xaver Mader (DP) fr. Bolivien St. Englmar 70. Geb.

4. 5. Sr. Aloysia Spangler OP (Sf) Zimbabwe Wolfsegg 85. Geb.

14. 5. Sr. Isentraud Rauscher FNS Südafrika Wiesenfelden 50 J. Profess

21. 5. Sr. Carmelina Zinkl FNS Südafrika Gleiritsch 75. Geb.

21. 5. Sr. Claretta Bolz oP (Sf) fr. Zimbabwe Nittendorf 80. Geb.

25. 5. Sr. Seraphia Pichlmeier OP (Sd) Südafrika Oberpiebing 70. Geb.

6. 6. P. Rudy Kriegisch MAfr. fr. Tanzania Oberisling 50 J. Profess

7. 6. Msgr. Konrad Schmidleitner (DP) fr. Südafrika Elsendorf 70. Geb.

8. 6. Sr. Regina Fenk sspS Australien Fischbach 60 J. Profess

8. 6. Frau Helene Reichl LMiss Taiwan Rgsb – Herz Marien 55 J. Profess

13. 6. Sr. Herma Popp OSF (Aö) Chile Hohenfels 85. Geb.

29. 6. Pfr. Franz-Xaver Mader (DP) fr. Bolivien St. Englmar 45 J. Priester

29. 6. Pfr. Karl Ferges (DP) fr. Südafrika Hemau 35 J. Priester

29. 6. Mgr. Hubert Wilschowitz (DP) fr. Türkei Regensburg 55 J. Priester

30. 6. Pfr. Eugen Wismeth (DP) Bolivien Ammerthal 25 J. Priester

3. 7. Sr. Bernice Donharl ISAC Südafrika Gangkofen 75. Geb.

17. 7. Sr. Consumata Böhm OSF (D) Brasilien Reisbach 80. Geb.

20. 7. Sr. Bonaventura Schneeberger ssnd usa neunburg v. W. 70 J. Profess

20. 7. Sr. Tamara Fischer OSF (Ai) fr. Bolivien Eschlkam 50. Geb.

23. 7. Sr. Amanda Jobst SAC fr. Südafrika Brennberg 80. Geb.

26. 7. P. Franz Fürnrohr MSC DR Kongo Plößberg 55 J. Priester

26. 7. Sr. Raymunda Sturm OP (Sf) fr. Zimbabwe Oberalteich 70. Geb.

29. 7. P. Josef Scheuerer MFSC fr. Peru Pfraundorf 25 J. Priester

30. 7. Sr. Kenelma Rieder FNS Südafrika Ergoldsbach 50 J. Profess

31. 7. Sr. Seraphia Pichlmeier OP (Sd) Südafrika Oberpiebing 50 J. Profess

Wir gedenken unserer Toten im Gebet

Wir bitten für unsere Schwestern und Brüder, die du zu dir gerufen hast: An dich haben sie geglaubt und auf dich

gehofft. Lohne ihnen ihr Mühen um die Mission. Lass sie leben in Gemeinschaft mit dir, unserem Gott. Amen.

25. 8. 07 Sr. Kreszentia Mark RS fr. USA Falkenberg 97 Jahre

8. 9. 08 Sr. Margarita Winkler B Ägypten Straubing 98 Jahre

9. 2. 09 P. Rupert Steibl SDB Kolumbien Donaustauf 82 Jahre

Impressum

Arbeitsstelle Weltkirche | Obermünsterplatz 7 | 93047 Regensburg | Deutschland

Tel: +49 (0) 941 5972607 | Fax: +49 (0) 941 5972600 | weltkirche@bistum-regensburg.de | www.weltkirche-regensburg.de

Redaktion und V.i.S.d.P.: Hagen Horoba

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