Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

11. Trachten, Sitten. 83

ähnlich wie im übrigen Deutschland etwa die Metzgerwagen, sie

haben jedoch nur einen einzigen Sitz vorn und daher hat man

oft den possirlichen Anblick zu geniessen, dass auf einem solchen

Wagen ein gewöhnlicher Stuhl steht, dessen Beine durch Seile

angebunden sind, und darauf ein modisch gekleidetes Frauenzimmer

sitzt. Die Seitenlehnen dieser Wagen pflegen nicht mehr

als einen Fuss Höhe zu haben.

Das Erd-, Stein- und sonstige Lastfuhrwesen ist ganz eigenthümlich

geartet und zerfällt in zwei- und vierräderige Wagen.

Alle Arten derselben haben das Gemeinsame, dass die Pferde

nicht neben einander, sondern vor einander gespannt sind und

zwar in der Kegel deren drei. Die zweiräderigen Wagen sind

sehr lang, haben ungemein hohe Räder und ragen vorn und

hinter denselben weit hinaus. Die hohen Räder sind durch die

hier übliche sehr hohe, starke, aber auch sehr phlegmatische

Pferderace bedingt, welche leider noch keiner anderen Platz machte,

denn sie ist sehr unvortheilhaft, da sie langsam zieht, mehr Futter

verlangt und durch ihre Grösse und Schwere auch mehr Stroii

zur Streu verbraucht. Die Art der Bespannung ist dadurch hervorgerufen,

dass Strassen und Wege und die so winkeligen Gassen

der Stadt mit ihren scharfen Ecken sehr schmal sind und sonst

zwei Fuhrwerke einander nicht so leicht und beweglich ausweichen

könnten; es sieht aber gar seltsam aus, auf diese Weise sich das lang

ausgedehnte Gefährte durch die Strassen winden zu sehen. Die

Erdfuhrwerke mit 1—2 Pferden bilden viereckige Kasten, deren

Vorder- und Hinterwand nach innen zugekehrt ist und die durch

einfaches Umschnappen geleert werden. Die RoUfuhrwerke zum

Transporte von Gütern etc. sind sehr lang und breit, haben einen sehr

niedern Rand, einen hohen Bock und sind vierräderig, sowie meistens

mit zwei Pferden neben einander bespannt. So grosse Leiterwagen

wie am Rheine für Heu und Stroh sind hier sehr selten;

die hier gebräuchlichen sind leichter und beweglicher. Sehr praktisch

sind die starken Wagen für den Transport von Bäumen und

Sägestämmen, denn solche werden nicht auf den Wagen geladen,

sondern derselbe hat sehr hohe Räder und die Stämme hängen

unter dem Achsenbaum in Ketten, zu deren Auf- und Abwindung

zAvei starke mechanische Vorrichtungen von Eisen angebracht sind.

Die Last ruht dadurch nicht blos leichter und beweglicher zum

Fahren auf dem hügeligen Terrain, sondern drückt auch weniger

hart und einschneidend auf den Boden. Es ist dies eine auch für

Deutschland sehr empfehlenswerthe Einrichtung, welche hier durch

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