Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

11. Trachten, Sitten. 85

sind aber nicht allein klein, sondern auch bunt durch einander

gewürfelt und man kann die Einrichtung der

französischen Grundbücher

nicht ganz von der Mitschuld daran freisprechen. Die

Grundstücke sind nämlich nach dem Eigenthümer eingetragen, was

allerdings die Uebersicht dessen erleichtert, was er besitzt und zu

versteuern hat, während im östlichen Deutschland die Grundstücknummern

die feste Basis bilden, bei welchen dann stets die Eigenthumsveränderungen

eingetragen werden. Neben diesem verzettelten

Besitze gibt es aber auch grosse Güter und zwar fast in

jeder Gemeinde ein solches, die theilweise durch Zusammenkauf

entstanden, theilweise aus alter Zeit ererbt oder bei dem Verkaufe

der Emigranten-, Kloster- und Corporationsgüter erstanden

worden waren. Für diesen Grossbesitz bestehen dann besondere

Höfe mit Landsitz, häufig sogar einem kleinen Schlösschen

und Park, deren Eigenthümer aber in der Regel nur während

einiger Wochen des Sommers daselbst Aufenthalt nehmen und

sonst in einer beliebigen Stadt, vielfach in Paris leben, wohin

daher Alles abfliesst , was Landwirthsehaft und Viehzucht des

Dorfs an Ertrag oder Gewinn eingebracht haben. Diese Höfe

liegen meistens ausserhalb der Dörfer, einsam im freien Felde und

sind mit einer Mauer umschlossen. Möglichst sind we an eine

bessere Strasse gelegt, um dem Besitzer die Anlage und Unterhaltung

einer Zufahrstrasse zu ersparen, Wohnung und Vorrathsgebäude

haben gewöhnlich nur ein einziges Stockwerk, die Scheunen

sind aber sehr breit und tief und haben ein weit gesprengtes Dach.

Letztere sind vom Wohngebäude getrennt, mit diesem aber die

Stallungen verbunden. Man sieht an diesen Höfen nur glatte, hohe

Mauerflächen, die Wohnung selbst ist blos an der Thüre und den

wenigen Fenstern erkennbar und vergebens sucht man dabei ein

Gärtchen, einige Blumen, etwas grünes Leben; es ist Alles einförmig

und kalt aussehend und zeigt es sich überall, dass Bestellung

der Felder, Besorgung der Aussaat und Erndte, Aufbewahrung

und Vorbereitung der Erzeugnisse für den Markt bei der Anlage

des Hofs allein geleitet haben. Nur sehr seltei; ist damit

Milchwirthschaft, Viehmastung und eine kleine Brennerei verbunden.

Die meisten Höfe sind verpachtet und zwar der Landsitte gemäss

auf 3, 6 und 9 Jahre, was zu kurz ist, um den Pachter zu grossen

Aufwendungen und neuen Einrichtungen zu veranlassen, oder gar

Meliorationen zu unternehmen. Letztere mit Drainage, Einführung

von Maschinen , so wie äussere Verschönerung finden sich blos da,

wo der Eigenthümer an Ort und Stelle wohnt und die Bewirth-

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