Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

86 I- Land, Volk und Verwaltung'.

schaftung selbst besorgt. Eigenthümlieh ist es diesen Höfeu, dass

sie meistens seltsame Namen tragen, wie solche in Nordamerika

ertheilt zu werden pflegen. So gibt es in der Umgegend von Metz

Höfe mit den Namen Mogador, Malmaison, Leipzig, Moskau,

Marengo, Jerusalem, Algier, Constantine, Sebastopol, Frescatj u. s. w.

Doch sind nicht alle diese Namen zur Erinnerung an mitgemachte

Feldzüge u. dgl. ertheilt worden; die Namen der Höfe Leipzig und

Moskau sollten vielmehr andeuten, dass in Folge des damaligen

unglückseligen Krieges die Gemeinde Chatel so hohe Steuern und

Abgaben an den Staat zu liefern hatte, dass sie den Gemeindewald

verkaufen musste, um daselbst zur Errichtung zweier Höfe

zu dienen.

Obschon auch hier Auf- und Zwischenkäufer sich befinden, so

bringen doch die meisten Landleute ihre Erzeugnisse in die Stadt

auf den Markt, weil sie daselbst auch ihren ganzen Bedarf, sogar

oft das Brod einkaufen müssen, denn auf dem Dorfe ist fast gar

nichts zu haben und gibt es nur unsaubere Wirthshäuser oder

nicht bessere Buden der Marchands de vin, so dass man nur Jedermann

rathen kann, dieselben zu meiden, wie denn auch erst in

der Umgebung von Metz es etwas besser damit geworden ist und

zwar meistens durch deutsche Wirthe. Der Marktbesuch in Metz

— Haupttage sind Mittwoch und Samstag — erfolgt ungemein

frühe, im Sommer um 3—4 Uhr, im Winter um 5 Uhr und um

jene Zeit erfolgen die Hauptgeschäfte und Verkäufe.

Wenn die Hausfrauen

und Dienstboten um 7—8 Uhr daselbst erscheinen, können sie

nur noch aus dritter und vierter Hand einkaufen, wo sie dann auch

höhere Preise bezahlen müssen. Die Landleute wollen nän)lich

früh fertig werden, ihre Einkäufe rasch abmachen und Vormittags

wieder nach Hause kehren. Sie überfüllen daher an diesen

'l'agen nicht lange die öffentlichen Lokale, wo sie nur Kaffee und

Absynth verbrauchen, und nur die Händler sind noch bis zum

Nachmittage im Kaffcehause anzutreffen. Um die Älittagssluiide ist

der Marktplatz wieder geleert und so rein wie zuvor. Bei dieser

Gelegenheit sei übrigens auch bemerkt, dass man hier zu Lande

keine nolche Kei.sigbesen hat, wie um ilheine, sondern Besen mit

langem Reisig aus Keisstengeln.

Die Juden besorgen auch hier einen grossen 'J'heil des Zwischenverkehrs

und vermitteln den Verkauf \^n\ (Jetreide, Vieh, Möbeln

und allen 'irödlerwaaren. Bei ihnen findet in der Begel gesloh-

Icne« Gut rusch Unterkommen und ebenso schnelles Wiederverschwinden

im Hiindcl. Jeden Morgen ziehen durch ulle Strassen

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