Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

11. Trachten, Sitten. 87

schmutzige Juden mit dem schrillen Kufe: Itien ä vendre, den

Stock in der Hand und den Doppelsack auf der Schulter, in welchem

Alles verschwindet, was ihnen verkauft wird, Knochen und

Papierreste, alte Kleider und Schuhe, Eisen und andere Metalle.

Neben diesen sieht man ebenso häufig auf den Strassen Händler

mit ihren Wägelchen voll Körben mit Holz- und Steinkohlen, sogar

mit Holz, welche die Waare ebenso ausrufen. Dann kommen in

gleicher Weise die Glaser und Regenschirmmacher, Kesselflicker,

Frauenzimmer mit allerlei Mercerie- und Nähwaaren und dazwischen

noch dieser und jener Händler anderer Gegenstände, deren Jargon

ein Nichteinheimischer gar nicht versteht. Auch Zeitungen werden

auf der Strasse in dieser Weise colportirt, jedoch nicht mehr so

zahlreich wie früher, denn die Deutschen sind an den Einzelnkauf

der Zeitungen nicht gewöhnt imd die Franzosen haben bei der

polizeilichen Ueberwachung der französischen Presse beim Strassenkauf

nur noch die Wahl zwischen den zwei kleinen hiesigen Blättern

und dem Coiirrier de la Moselle aus Nancy, welche alle nur

dreimale in der Woche erscheinen. Zu diesem Strassen verkauf

kommen noch drei andere ambulante Geschäfte. Eine Specereihandlung

lässt nämlich mit den gangbarsten Waaren immer Omnibus

durch die Stadt fahren und zwei Bierhändler setzen in dieser

Weise ihr Mainzer Bier ab. Die Metzer Markteinrichtungen sind

übrigens ausgezeichnet zu nennen. Die Markthalle ist gross, luftig

und zweckmässig erbaut und wurden darin auch für den Freitag

Morgen Versteigerungen von Seefischen eingerichtet; die bedeckte

Markthalle

für Gemüse, Obst und Blumen auf dem Austerlilzplatze

mit Keller zur Aufbewahrung der Produkte ist ebenfalls zur Nachahmung

zu empfehlen. Zu erwähnen ist auch, dass alle Morgen,

wo die Unrathkisten vor die Thüren gestellt und der Strassenkehricht

zusammengescharrt werden, Leute solche nach Papier,

Lumpen, Knochen u. dgl. durchstöbern, und dass regelmässig

um dieselbe Zeit halbverlassene Hunde ebenfalls die Runde durch

die Strassen machen, um in diesem Kehrichte Futterreste aufzuspüren.

Zwischen dem Leben und Treiben der deutschen und französischen

Bevölkerung besteht ein Unterschied auch insoferne,

dass

letztere Abends nie sehr lange in den öffentlichen Lokalen zu ver-

Meilen pflegt, ausser wenn die Theatervorstellung spät endigt, und

dass die Wirthshäuser auf dem Lande in der Regel schon um

9 Uhr geschlossen sind, während die deutsche Bevölkerung es

liebt in den Bierhäusern bis Mitternacht und noch später zu ver-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine