Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

12. Herkommen, Feste. 91

und die dabei nur angebrannten Stücke des Scheiterhaufens zu

Hause aufbewahrt, um das Haus vor Feuer und das Vieh vor

Krankheit zu bewahren. Man glaubte nämlich, an diesem Tage

sammelten die bösen Geister, Zauberer und Hexen ihre Kraft für

das ganze Jahr, indem sie Nachts Schlag zwölf Uhr die nöthigen

Zauberkräuter pflückten. Wenn dieser kurze Moment von ihnen

verpasst wurde, so fehlten ihnen die Zaubermittel, und desshulb

suchte das Volk das rechtzeitige Pflücken zu vereiteln, indem man

in einem Orte die Uhren verstellte, in anderen aber beim Herannahen

der zwölften Stunde lange mit allen Glocken läutete, damit

das Schlagen der Uhr nicht gehört werde, in manchen Gegenden

wurde auf den Scheiterhaufen ein Käfig mit einer Katze gestellt

und solche mit demselben verbrannt, doch kam die Sitte noch im

vorigen Jahrhunderte ab. Die Katze sollte dabei eine heidnische

Gewalt darstellen.

Die Furcht vor Zaubereien war in Lothringen, besonders im

Saarthale, immer sehr gross und man suchte dagegen Haus und Vieh

in mancherlei Weise zu schützen, wobei auch die Geistlichkeit mitwirkte,

wenn dabei ein Geldverdienst herauskam. Zu Langattz

tragen am 3. November die Einwohner einen Korb mit Brod, Salz,

Getreide und Hafer in die Kirche, damit der Geistliche sie segne,

worauf man es an Menschen und Vieh zum Verzehren gibt. An

Maria -Himmelfahrt kommen daselbst die Leute mit gewaltigen

Blumensträussen in die Kirche, um sie segnen zu lassen und dann

im Hause aufzubewahren. In manchen Gegenden wird am Weihnachtsfeste

ein starker Klotz oder Holzstamm in das Kaminfeuer

gesteckt und damit die Mahlzeit gekocht. Ist dann der Stamm

verkohlt, so schneidet sich Jeder ein Stück daraus und befestigt

es über seinem Bette, damit der BHtz im Laufe des nächsten Jahrs

nicht einschlage. Anderwärts glaubt man, das um Mitternacht

der Neujahrsnacht geschöpfte Brunnenwasser habe die Kraft, das

Vieh vor Krankheit zu schützen. Den Brunnen wird in der Neujahrsmitternacht

überhaupt vielfach eine sonderbare Kraft zugeschrieben.

Wenn ein Mädchen in diesem Augenblicke hineinsieht,

so erblickt sie ihren Bräutigam darin, wenn er im nächsten Jahre

ihr bestimmt sein soll. In Erwartung dessen, dass jede bald einen

Bräutigam erhält, schmücken in mehreren Gegenden die Jungfrauen

die Brunnen mit Kränzen und sieht Eine ihren Bräutigam,

so wird um den Brunnen getanzt.

Im Kreise Saargemünd werden die Hexen damit

fern gehalten,

dass die Leute am Morgen nach Walpurgisnacht, L Mai, geweihte

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