Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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I- Land, Volk und Verwaltung.

Palmenzweige in Weihwasser tauchen und damit Wohnungen,

Ställe und Scheunen besprengen, damit kein Unglück geschehe

und keine Krankheit einkehre. Ueber dem Hauseingange M'ird ein

Kreuz angebracht, das aus geweihtem Wachs gefertigt ist und

ganz dieselbe Kraft haben soll. In den einsam gelegenen Dörfern

und Höfen im Westen des Kreises Saarburg besteht noch immer

die uralte Sitte, dass jedes neugebaute Haus vor dem Beziehen in

allen seinen Theilen feierlich vom Geistlichen eingesegnet wird,

und die Leute sehen so streng auf die Beobachtung dieses Gebrauchs,

dass sie den Nachbar, der sich ihm nicht fügen will,

tbrmlich dazu zwingen, weil die Sache ihre Kraft verliert, wenn

auch nur ein einziges, nicht gesegnetes und also nnheiliges Haus

im Orte ist. Aberglauben und besonders Gespensterglauben sind

in diesen Landestheilen und besonders in den Vogesen noch allgemein

verbreitet und die Licht- oder Spinnstuben sind von Allerheiligen

bis Valeutinstag (14. Februar) der Sitz aller darauf bezüglichen

Unterhaltung. Da niuss Jeder eine solche Erzählung zum

Besten geben, und wer die schauerlichste Gespenstergeschichte zu erzählen

weiss, der trägt den Preis des Abends davon; dann wird

noch lange davon gesprochen und der Erzähler einer besonderen

Aufmerksamkeit gewürdigt; schon oft wurde damit das Herz einer

Schönen gewonnen. Die Folge davon ist, dass die Erzählungen,

welche auf Tradition beruhen, auch oft variirt und ausgeschmückt

werden, so dass man nicht weiss, was alt und was neu daran

ist. Man findet auch manchmal daselbst die Sitte, dass sich Jedermann

scheut, in der Woche des Allerheiligentags in der Haushaltung

eine Wasche vorzunehmen, denn es hängt der Aberglauben

daran, dass dann noch vor Neujahr ein Mitglied der Familie

sterben werde. Bei Lixheim wird der Monat vor Advent als der

Gespenstermonat angesehen,

und viele Personen wagen dann nicht

Nachts auszugehen aus Furcht, einem Gespenst zu begegnen; besonders

sind der Mittwoch und Freitag in dieser Hinsicht verhüngnissvoli.

In manchen Häusern bewahrt man die Ostereier vom

Charfreitage, um sie den Hausgenossen zu geben, welche dadurch

vor dem Fieber l)ewaiirt bleiben. Andere heben sie auf, um sie

ausbrüten zu lassen, denn sie hoilen, die daraus entstehenden

Hühner änderten jedes Jahr die Farben. In derselben Gegend

glaubt man überhaupt sehr den Wahrsagern und Zigeunern und

weiss man verschiedene abergläubische Mittel gegen Krankheilen.

Vor der Uevolution war der Aberglaube so recht in der Gegend

von r,

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