Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

12. Herkommen, Feste. 93

Gespenstern, Hexen und dem fanatischen Geiste Sanieret^ welcher

über Gesundheit und Krankheit der Hausthiere verfügte. Gewissen

verrufenen Leuten schrieb man die Kraft zu, sich in Katzen und

Wehrwölfe zu verwandehi, anderen wieder, die Milch einem Dorfe

zu entziehen und sie einem andern zuzuleiten, indem sie einen

geheimnissvollen Strich dahin ziehen. Einen Dieb wollten gewisse

Familien durch Zaubersprüche ausfindig machen, doch waren solche

deren Geheimniss. Wenn mau die Kuhmilch der Kühe, welchen

sie gestohlen Murde, erwärmte und ein Messer in die kochende

Milch stach, glaubte man den Dieb damit zu trefien. Sogar gewisse

Zeichen und Worte im Geheimniss weniger Leute sollten

gewisse Wirkungen haben. Zu Abreschweiler glaubte man &ii die

weisse Dame, welche an Mitternacht vor Weihnacht sich zeige

mit einem Korb Wasche im Arm , welche sie im Bache wasche. Im

Dachsburgischen hat der Aberglauben auch noch einen Hauptsitz

und ausser Gespenstergeschichten ähnlicher Art erzählt man sich

daselbst auch, dass auf dem Plateau von Engelberg die Gespenster

Nachts umherirren, besonders um den alten Druidenstein von Abreschweiler.

Hier unterstellt man auch die Kreuzwege im Wald

in der Gemarkung diesen Einflüssen und befestigt daher dort

Kreuze in den alten Eichen. Ungeachtet dieser Vorsichtsmassregel

passiren aber die Landleute nicht gern um Mitternacht die Lichtungen

und längs des Felsens am Wege von St. Quirin, denn

diese Verwegenheit werde mit augenblicklichem Tode bestraft.

Sogar bis in die Citadelle von Metz hat sich solcher Aberglauben

verbreitet. Von dem früher daselbst befindlich gewesenen Kloster

St. Pierre ist in der Wohnung des Geniedirecktors noch ein Fenster

erhalten, und von diesem ging im Kloster die Sage, am Abende

vor ihrem Tode sehe die Aebtissin durch dasselbe den Arm Gottes

sich bewegen und ihr das nahe Ende ankündigen. Die Schlangen

waren bekanntlich den Kelten heilig und spielten in ihrem Kultus

eine Rolle. Daher stammt wohl in einigen Gegenden die Sitte,

jedes in der Osterwoche im Hühnerstall gefundene ganz kleine Ei

zu vernichten,

da sonst eine Schlange daraus krieche, die Menschen

und Thieren gefährlich würde.

Sind diese Ueberlieferungen aus der alten Zeit mehr schauerlich

und reiner Aberglauben, so hat die Valentinage einen duicliaus

freundlichen Charakter. Sie kommt im ganzen Westen bis

England und Schottland vor, ist aber in Deutschland selten oder

hat eine ganz andere Form. Man findet sie in verschiedener Weise

vor. Li manchem Orte wählen sich die iunsen Bursche am so-

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