Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

12. Herkommen, Feste. 95

bestehend in einem schonen Tuch oder Band mit einer Schachfei

Bonbons, je nach seinen Vermögensverhältnissen. Haben die Eltern

auch wegen der beiderseitigen Vermögensverhältnisse nichts dagegen,

so wird die gegenseitige Bekanntschaft fortgesetzt und begleitet

der Bursche sein Mädchen auf alle Festlichkeiten, bis endlich

am Ernte- oder Herbstfest oder bei einer ähnlichen Gelegenheit

die förmliche Verlobung erfolgt. So wenig nun eine Schöne,

wenn sie es nicht mit allen Burschen des Dorfs verderben will,

diese Huldigung abweisen darf, so kommt es aber doch auch

manchmal vor, dass sie ihm bei näheren Liebeserklärungen einen

Korb gibt. Diess wird aber gewöhnlich in symbolischer Weise

kund gegeben und kostet also nicht einmal ein Wort zur Antwort.

Rückt nämlich in der Moselgegend der Bursche mit seinem

Antrage heraus und die Schöne will davon nichts wissen, so langt

sie ins Kamin und zieht einen ausgelöschten Feuerbrand heraus,

den sie dem Burschen überreicht. In den Gebirgsdörfern der Vogesen

wird die Sache aber noch drastischer gemacht. Um nämlich

der unwillkommenen Bewerbungen los zu werden, schickt sie

dem Freier eine Katze ins Haus, um ihn für ihre Liebe zu entschädigen.

Hat dieser dann aber viele Freunde unter den Burschen

des Dorfs und will er sich dafür rächen, so rücken sie wohl

in einer der folgenden Nächte der Schönen vors Fenster, machen

einen Höllenlärm mit verstimmten Listrumenten und miauen in

allen Tonarten, bis sie dann der Hausvater oder der Feldhüter

vertreibt.

Ein gewisses Vorrecht steht bei Kindtaufen den Pathen zu.

Da gewr)hnlich auf einen Pathen mehrere Pathinnen kommen,

so hat er das Recht, sich diejenige, welche ihm am besten gefällt,

zur Feier abzuholen und sie sich beim Schmause zur Rechten zu

setzen, wogegen er verpflichtet ist, ihr ein Pathinnengeschenk zu

machen, das gewöhnlich in Handschuhen, einem Tuch, Band oder

dergleichen

besteht.

Bei Leichenbegängnissen in einer Stadt oder einem grösseren

Dorfe wirkt gewöhnlich eine Bruderschaft mit, welcher die Familie

angehört, oder auch ein anderer Verein. Derselbe verziert

am Begräbnisstage die Hausthüre mit einer schwarzen Draperie

und besorgt die Leichenwache, oft auch die Begräbnisskosten.

Die Leichenbegängnisse geben oft zu vielem Aufwände Veranlassung,

und die Geistlichen des Landes haben überhaupt bei solchen

Dingen den Prunk gern , weil er ihnen Geld einbringt. Schon

die Leichenwagen sind von verschiedener Reichhaltigkeit der Ver-

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