Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

[)Q I. Land, Volk und Verwaltung.

zierung und in den Ecken gewöhnlich mit Federbüschehi versehen.

Die Kirchendiener, bald im grossen Ornat mit dem Kreuze und

Portiers, bald einfach gekleidet und dann einer oder mehrere

Geistliche, ja oft sechs bis acht erscheinen am Leichenhause und

holen die Leiche ab, indem sie monotone Gebete singen. Zunächst

geht es immer zur Kirche, wenn auch der Umweg sehr

gross ist, der Sarg wird in dieselbe getragen, auf einen Katafalk

gestellt und ein Gottesdienst abgehalten, wobei gewöhnlieh Nonnen

oder andere Congregationsschwestern Gaben einsammeln, und dann

erst wird die Leiche auf den Friedhof gebracht. In Zeiten, wo

eine Epidemie herrschte, suchte man diese Sitte der Todtenbestattuug

abzuschaffen, aber selbst in Metz ist es nicht gelungen, obschon

es schon aus Gesundheitsrücksichten geschehen sollte. Die

Leichen kleiner Kinder werden gewöhnlieh getragen und dabei

über dasselbe ein tragbarer Thronhimmel gehalten, wenn die Sache

vornehm hergehen soll.

Die Revolutionszeit iiat in Lothringen gar manche alte Gebräuche,

Gewohnheiten und Festlichkeiten zu Grabe getragen, denn

die Zeit ist nüchtern geworden und mau sucht zu sparen. Besonders

die Feierlichkeiten bei den Hochzeiten sind seit Einführung

der Civilehe vereinfacht ^^orden, und dazu hat auch die Vorliebe

der Städter, Hochzeitsreisen zu machen, viel beigetragen. In Landorten

besteht noch hier und da die Sitte der feierlichen Abholung

der Braut, welche der Bräutigam mit seinen Genossen im Elterniiause

aufsucht, wo sie von ihren Freundinnen festlich geputzt

darauf wartet und ein Frühstück eingenommen wird. Nach demselben

geht dann der Zug nach dem Hause des jungen Gemahls.

Dort angekommen wird die Neuvermählte von der Schwiegermutter

(»der einer andern Angehörigen an der ThUrschwelle empfangen

und mit Darreichung verschiedener Gaben begrüsst. Diese sind

nach den Gegenden verschieden, es fehlen aber dabei niciit das

Ei als Zeichen der Fruchtbarkeit und einige Weizenkörner und

Bohnen oder auclj Brod und Snlz. Das Ei wirft die Braut über

den Bücken fort, das Uebrige aber theilt sie unter das Geflügel

aus. Liegt die Wohnung etwas weiter oder gar in einem andern

Orte, so wird dahin die Aussteuer iu einem Wogen, hoch oben

die von den Brautführern geschenkte Wiege und ein Spinju'ad

mit einer Hanf- odn- l-lachsdocke, geführt und das l*aar sitzt vorn

darniif. Die Bursche lassen es nbcr nicht so leicht ziehen, denn

bie bereiten auf dem Wege vcrsciiiedene Hindernisse, erriehteu

Barrikaden und du» junge Ehepaar muss die Hinwegräununig

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