Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

12. Herkommen, Feste. 97

derselben erst durch ein kleines Geschenk oder das Versprechen

einer Weinspende erkaufen. Im Hause folgt dann das Hochzeitsmahl

und gewöhnlich darauf noch ein Tanz. Beim Mahle suchen die

Bursche der Braut das Strumpfband heimlich zu entwenden,

das sie dann im Triumphe unter sich vertheilen. Werden die

Bursche beim Tanze recht übermüthig, so werfen sie zuletzt noch

alte Scherben vor die Thüre der Brautkammer, um das Paar noch

lange an der nächtlichen Ruhe zu stören. In Diedenhofen herrschte

die sonderbare Gewohnheit, dass bei gewöhnlichen bürgerlichen

Hochzeiten die Gäste in karnevalmässiger Verkleidung mit Musik

durch die Strassen zogen , in einer Reihe von Wirthschaften einkehrten,

darin zechten und tanzten und dann erst zum Hochzeitsmahle

erschienen. Die Hälfte der Kosten musste der junge Ehemann

bezahlen. In jener Gegend kam dabei auch noch eine

andere Sitte vor. Am Morgen nach dem Hochzeitstage begab sich

nämlich das junge Paar schwarz gekleidet in die Kirche zur Anhörung

einer Seelenmesse für seine Vorfahren und dann auf den

Friedhof, um an den Gräbern der Eltern, Voreltern und Verwandten

zu beten und um Glück und Segen für ihre Ehe zu

bitten.

Die Ausstattung der Braut ist gewöhnlich nicht sehr reichhaltig

und besteht in einer geringen Anzahl von Möbeln. Sie

macht aber doch im Verhältnisse zum A'ermögen mehr als billig

aus und darf es namentlich nicht an Schmuck, Nippsachen, silberplattirten

Messern und Gabeln und dergleichen Dingen fehlen.

Auch die Garderobe nimmt einen wesentlichen Theil der Aussteuer

ein. Als Folge der Kleinheit der Häuser und Wohnung mag es

angesehen werden , dass die Eltern und die neuvermählten Kinder

selten in demselben Hause wohnen, was nur bei grösserem Gutsbesitze

und da nicht sehr oft vorkommt.

Eine deutsche Sitte ist auch, was man hier Trimazos nennt.

Beim Eintritt des Frühlings, im Mai, kommen nämlich geputzte

Kinder mit Maien, an welchen bunte Bänder und anderer Tand

hängen, singend, springend und tanzend: „der Frühling ist da-

(c'osl lou joli mois de mal, 6 mi ma'ij und erhalten dafür kleine

Geschenke. So unschuldig die Sache ist, so hatten doch die Behörden

dies früher verboten gehabt, weil es an das alte römische

Fest der Cjbele erinnere.

Leider herrscht aber noch da und dort

die Sitte, beim Herannahen von Gewittern mit den Glocken zu

läuten, angeblich, um die Wolken zu vertheilen. Da und dort

pflanzt auch der Liebhaber seinem Schatze in der Stille der Nacht

Huhn, Deutsch- Lothringen. 7

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