Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

12. Herkommen, Feste. 99

sodann wieder in die Abtei zurückgebracht. Von dem Ringe erhielt

sich aber folgende Sage. Als einst der heilige Arnould auf

einer der Moselbrücken den Fluss betrachtete und über die Grösse

seiner Sünden nachdachte, warf er den Ring ins Wasser, indem

er sagte, er werde nicht eher an die Vergebung derselben glauben,

als wenn ihm je wieder dieser Ring gebracht werde. Siehe da,

nach wenigen Jahren fand sein Koch den Ring im Magen eines

Fisches und brachte ihn dem Prälaten zurück, der nun erst Vertrauen

in die göttliche Barmherzigkeit gewann. Bekanntlich kommt

dieselbe Sage noch anderwärts in ähnlicher Weise vor: aber

Paulus Diakonus will sie selbst aus dem Munde von Karl dem

Grossen gehört haben. A^on diesem Fürsten, und sogar von seinem

Hausmeister, wollte

die Kathedrale auch noch die Stöcke besitzen,

und man stellte jährlich an Ostern und Pfingsten auf dem Hauptaltare

und später auf einem Pulte ein Reiterstandbild dieses Kaisers

nebst seinem Stocke aus, und bei der Procession am Martinstage

war der Messner mit einem Chormantel aus dem Königsmantel

Karls bekleidet, auch trug am Feste des heiligen Arnould der

Officiant ein Messgewand, welches der Mantel Karls des Grossen

gewesen sein

sollte.

Bis zum Ende des siebenzehnten Jahrhunderts wurde mit

demselben ein sehr sonderbarer Gebrauch gemacht. An gewissen

Tagen des Jahrs durchzog nämlich ein Laienbruder des Klosters

St. Arnould , mit diesem Mantel angethan und rückwärts auf einem

Gaul sitzend, die Stadt, um von den Metzgern und Händlern Fett

oder Talg zu empfangen, was man das Recht Karls des Grossen

nannte. Ein Paria mentsbeschluss von 1769 machte aber dieser

Sache ein Ende. Die Metzger hatten jedoch in Metz noch mehr

alte Gewohnheiten. So mussten sie in der Woche des Dionysiustags,

9. October, zwei und einen halben Bündel Knoblauch dem

Abte von St. Arnould bringen, wogegen sie sieben grosse Brode

von je 7^2 Pfund und achtzehn Brodschnitte, sieben Töpfe und

eine Pinte des besten Weins nach ihrer Auswahl und ein gutes

Frühstück erhielten. Am 4. Februar hatten sie sodann an das

Kloster einen Kuchen abzuliefern; der Meister der Innung hielt

ihn in der Hand und der jüngste Lehrhng musste ihn im Springen

mit dem Finger zu durchbohren suchen; gelang es ihm, so gab

ihm der Meister zwölf Sous, gelang es ihm aber nicht und blieb

der Kuchen ganz, so bekam er einen Fusstrilt auf den Hintern.

Der Kuchen, welcher also schon sehr gross gewesen sein muss,

wurde dann unter Glockengeläute unter reichlichen Libationen von

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