Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

J'natcmva

102 !• Land, Volk und Verwaltung,

selben auch keine Bänke erhielten. Wo sie später eingeführt

wurden, mussten sie wie die Stühle bezahlt werden, und dann

duldet der Pfarrer nicht mehr Stühle oder Bänke, als worauf fest

abonnirt ist, und nimmt einmal das Abonnement ab, so lässt er

die frei gewordene Bank sofort wieder entfernen, denn das nicht

extra bezahlende Publikum kann ja stehen.

Von 1320 an bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts gab die

Stadt der Böttcherzunft alljährlich ein Fest, weil diese vorzüglich

den Dienst beim Feuerlöschen versah. Am 25. August, dem Tage

nach Bartholomäustag, fand das Fest durch drei Tage statt. Am

ersten derselben zog die Zunft mit ihren Emblemen feierlich durch

die Stadt und überreichte dem Bürgermeister ein Bouquet, der

ihnen darauf im Kathhause auf Kosten der Stadt ein Festessen

gab. Wenn dies beendigt und, wie sich"s beim löblichen Handwerk

von selbst verstand, gehörig getrunken war, Hess der Stadtschreiber

die Böttcher die Revue passiren und Jeden, dem ein

Knopf am Rocke fehlte, drei Sons als Strafe bezahlen. Am dritten

Tage zog das Gewerbe wieder durch die Strassen und hielt an

der Kreuzung der Strasse Fournirue, Taison und Plat-d'Etain au,

welche die Mägde der vier Eckhäuser zuvor schön gereinigt hatten

und wo sich dieselben sodann mit dem Besen auf der Schulter

aufstellten. Sobald der Zug daselbst ankam, hielt er an, der

Meister trat an die Mägde heran und sagte ihnen: „Junglern, ihr

habt euere Pflicht gethan.^ Wahrscheinlich wurden diese dann

auch zum Tanze geladen. Das Essen fand an allen drei Tagen

statt, am Ende des letzten Bankets aber trat der Aelteste der

Stadtpolizei auf eine Bank und fragte den Altmeister: „Meister

habt Ihr noch Durst?^ ( Mdtre des tonnclis, aleu-vesault?J , worauf

dieser antwortete: „Ich bin noch nicht so betrunken, dass ich

nicht noch drei Schluck ertragen könnte.^'

,

ici si saiilts

fjiie je ne hoiiiinmes beunn schrliin Ireus caups, ico et ikc.J Sodann

setzte man sich wieder zur Tafel, man nahm noch eine Collation

und jeder nahm noch mit nach Hause, was er nicht essen konnte.

Die von den Geistlichen abgehaltenen Festlichkeiten sind getreulich

im Ceremoniel der Kathedrale von 1Ü5)4 beschrieben imd

die Vorschriften dafür gegeben. In der ersten Hälfte des vorigeu

.lahrliunderts bestrebte sich aber der Bischof (Claudius von St. Simon,

gegeu den Missbrauch der Festlichkeiten und Feiertage zu eifern.

liC'tztcre betrugen nacli dem Rituale von 1542 noch 102, wo nicht

gearbeitet werden durfte. Bischof de la Feuillade setzt«; diese

auf '.V) herab, tilgte aber den Festtag des heiligen Ludwig hinzu,

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