Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

13. Land-wirthschaft. 105

grösseren und bald kleineren Umfang hat und hier und da auch

ganz fehlt. Ausser dem alten Besitz, welcher aus dem früheren

Gesammteigenthum sich erhielt, wurde diese Art Güter noch dadurch

vermehrt, dass nach den schrecklichen Verheerungen durch

die Kriege des sechzehnten und siebenzehnten Jahrhunderts die

grösseren Herren und Territorialbesitzer wieder Kolonisten dadurch

heranzuziehen suchten, dass sie ihnen Bodenbesitz und besonders

auszurodenden Wald überliessen, welcher nun der Gesammtheit

gehörte und von dieser an die einzelnen Gemeindenmitglieder vertheilt

wurde. Diese Vertheiiung erfolgte sodann in sehr verschiedener

Weise und wurde erst im vorigen Jahrhunderte genauer

geregelt, für den Bezirk der drei Bisthümer im Jahre 17G9, was

aber freilich sich meistens nur dem alten Herkommen anpasste.

Dies Gemeindeeigenthum wurde ganz ähnlich wie im östlichen

Deutschland behandelt, und zwar entweder als Allmendantheiie,

oder Güterloose, oder als vermiethbarer Gesammtbesitz. Letzterer

dient dazu, die Gemeindebedürfnisse zu decken, und werden die

Grundstücke auf Zeit — 3, (i und 9 Jahre — möglichst tlieuer

verpachtet \ der andere aber erfährt eine ziemlieh verschiedenartige

Behandlung. In manchen Gemeinden werden von Zeit zu Zeit

die einzelnen Grundstücke dieser Art an die Gtmeindemitglieder

verloost, und zwar in bestimmtem Ausmaase möglichst gleicher

Art; meistens aber sind diese Güterloose fest bestimmt und werden

weder vergrössert noch verkleinert. Sie verbleiben Demjenigen,

der sie wegen Anwartschaft, Dürftigkeit oder /onst einmal zugetheilt

erhielt, lebenslänglich und vererben sich sogar in direkter

Linie weiter, natürlich gegen eine Abgabe an die Gemeinde für

Hut- und Wegekosten , die ziemlich gering ist und nur 4—6 Franken

für die Hektare beträgt. Ueber die Reihenfolge, in welcher solcher

Besitz angetreten wird, entscheidet die Dauer der Ortsangehörigkeit.

Fällt ein Loos an die Gemeinde zurück, so wird es neu

zugetheilt, und ist gerade kein berechtigter Anwärter da, denn

Niemand darf zwei Theile zugleich besitzen , so wird es inzwischen

für Rechnung der Gemeinde verpachtet, jedoch nur auf drei Jahre,

um Neuberechtigte nicht zu benachtheiligen. Es wurde zwar auch

schon versucht, an diesen Verhältnissen zu rütteln und solche

Gemeindegüter zu bleibendem Privateigenthum zu machen, es

wurde aber dazu die Erlaubniss nicht ertheilt und blieb deshalb

das bisherige Verhältniss erhalten.

Die Bodenzersplitterung ist nach den einzelnen Gegenden verschieden,

je nachdem in denselben reichere oder doch vermög-

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