Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

13. Landwirthschaft. 107

ZU gehen, wo nicht blos der Verdienst grösser, sondern auch das

Leben freier und ungebundener ist und ein Wechsel des Arbeitgebers

nach Belieben stattfinden kann, während sich der Arbeiter

auf dem Laude für ein Jahr binden muss. Gewöhnhch finden in

Metz und anderen Städten an den für den Dienstwechsel iibUchen

Tagen förmliche Arbeitermärkte statt, wo gegenseitiges Angebot

und Nachfrage die Preise regelt. Ein grosses Hinderniss bei der

starken Bodenzersplitterung bietet insbesondere auch der Mangel

an guten Feldwegen, wodurch der Zugang zu den Grundstücken

erschwert oder von dem Nachbarn und seiner Erndte abhängig

ist und sich die Leute immer nach den Nachbarn richten müssen,

sowohl was die Bestellung der Aecker, als die Aussaat der Erndte

betrifft, denn nur zu oft muss man über fremdes Besitzthum fahren,

wenn man auf sein eigenes gelangen will, und es ist fast unmöglich,

eine andere Art von Fruchtwechsel einzuführen und ihn rationeller

zu gestalten,

weil dafür das Einverständniss der Angränzer

erforderlich ist. Wir finden deshalb in der Mosel- und Seillegegend

auch eine ganz eigenthümliche Art der Pfiügung in sogenannten

sillons, d. h. es wird das Land in langen, schmalen Streifen

von nur 1 — l^/i Meter Breite so gepflügt und zu beiden Seiten

mit Wassere bzugsfurchen versehen, dass sich der Streifen nach

der Mitte erhöht oder wölbt, eine Eigenthümlichkeit, die den

Fremden sofort auffällt und oft zu ganz abenteuerlichen Vermuthungen

altgallischen oder römischen Herkommens Veranlassung

gab. An diesem allgemeinen Zurückbleiben und der geringen

Entwickelung der Landwirthschaft ist übrigens vorzugsweise die

französische Regierung selbst Ursache, indem sie keine Musterwirthschaften

ins Leben rief und förderte, nicht auf Einführung

eines rationelleren Verfahrens drang und durch ihre strenge Bevormundung

der Gemeinden sogar diese verhinderte, aus sich selbst

in dieser Hinsicht etwas zu thun, selbst wenn solche, ungeachtet

ihrer Kleinheit, etwas mit eigenen Kräften hätten unternehmen

und ausführen können. Wo daher irgend ein Fortschritt zu bemerken

ist, da findet man ihn nur in grösseren Gemeinden und

bei grösserem Grundbesitze, also besonders im Moselthale.

In diesem Landestheile ist die Landwirthschaft unstreitig

besser

geartet, als im Innern und an der Saar, wie dies auch schon die

geologische Bildung des Bodens bedingt, der an Mosel und Seille

vorzugsweise aus schwerem, zähem Kalkboden besteht.

Hier wird

besonders Weizen gepflanzt und der Boden mit Pferdemist und

Mergel gedüngt, nur beim Bau von Hülsenfrüchten auch mit Gyps.

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