Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

15. Thieizucht. 121

Hengsten einrichten lassen. Diese bestehen in Bolchen , Rohrbach

(Kreis Saargemünd), Kirsch (Kreis Diedenhofen), Bidingen (Kreis

Forbach), Saarburg und Marsal (Ki-eis Chäteau-Salins). Ausserdem

sollen im nächsten Jahre noch einige weitere Stationen begründet

werden. Die bisher von der französischen Regierung patentirt gewesenen

Hengste wurden übrigens

auch noch zum Beschälgeschäft

zugelassen. Im Jahre 1873 wurden von letzteren 29 mit Prämien

bedacht und von denselben etwa 1500 Stuten gedeckt. Es dürften

übrigens auch diese neueren Einrichtungen für sich allein noch

nicht genügen, wie es überhaupt erst die Zeit zeigen kann, ob

die

aus der neuen Kreuzung hervorgehende Race den Bedürfnissen

des Landes entspricht, und würde es immer noch nöthig werden,

auch eine bessere Race von Stuten ins Land zu bringen. Es ist

dies von grosser Wichtigkeit, zumal wenn man erwägt, dass die

Pferdezucht ein Kapital von 14—16 MiUionen Franken darstellt

und dies noch bedeutend erhöht werden könnte. Jetzt kostet ein

fünfjähriges Pferd der Landrace durchschnittlich 500 Franken. —

Mauhhiere und Esel werden vorzugsweise in der Umgebung von

Städten und grösseren Orten gehalten und meistens zu Milchfuhrwerken

verwendet.

Mit der Rind Viehzucht ist es noch schlechter bestellt und

dieselbe rentirt sich sogar noch weniger. Der jetzige Rindviehbestand

ist vorzugsweise aus der Durham-Race hervorgegangen,

wofür die Bevölkerung schwer zu beseitigende Vorurtheile hat,

die aber nicht viel taugt, denn das so erzeugte Vieh ist für die

landwirthschaftliche Arbeit nicht stark genug, erzeugt

wenig Milch,

verbraucht aber viel Futter und lässt sich nur leicht mästen. Eine

eigentliche Milchwirthschaft und Viehmästung ist hier nur wenig

zu finden, obschon gerade diese für das Land sehr geeignet wäre,

da Frankreich gerne grosse Mengen von Schlachtochsen von hier

beziehen möchte und den grössten Theil des Bedarfs mit erheblichen

Mehrtransportkosten aus dem Innern Deutschlands kommen

lässt. Jetzt kostet eine Milchkuh durchschnittlich 250—300 Francs,

ein gemästeter Ochse 500—550 Francs. Intelligente Landwirthe

mit gehörigem Betriebskapitale könnten daher im Lande durch

Gründung einer tüchtigen Bewirthschaftung des Bodens und entsprechender

Viehzucht sehr gute Geschäfte

machen, und wäre daher

der Zuzug von tüchtigen Landwirthen aus Deutschland viel

erwünschenswerther als jener von Arbeitern, Händlern u. dgl. In

neuester Zeit hat die Regierung ihr besonderes Augenmerk auf

die Verbesserung der Rindviehzucht gelenkt und auch das Ve-

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