Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

126 !• land, Volk und Verwaltung.

im Walde das Recht, die Ochsen, welche sie zur Abfuhr des

Holzes brauchen , mit in den Wald nehmen und dort weiden lassen

zu dürfen. Endlich herrschte auch das sogenannte Windfallrechf,

wornach die Einwohner die eefallenen Stämme um eine seringe

Summe erhielten.

Aus der Zeit des Holzüberflusses stammten endlich die sogenannten

Sägerechte im Dachsburgischen, welche wahrscheinlich

schon von den Römern ins Land verpflanzt wurden, wie es auch

jenseits des Rheins im Murgthale geschah, wo dieselben noch als

Flössereirechte bestehen und zu privatrechtlichen Titeln geworden

sind. Es bestehen in den Vogesen noch 27 also berechtigte Sägemühleu,

woran die Rechte zwischen Staat und Privaten meistens

in der Art getheilt sind, dass die Benützung der Mühle nach Monaten

dem einen und anderen Theile abwechselnd zusteht. Ein

solcher Sägerechtsantheil ist durchschnittlich 2000 Franken werth,

je nach der Lage der Mühle. Der SägemUller ist verpflichtet, auf

seiner Mühle, um durchschnittlich 5 Franken für je 100 Bretter,

Holz schneiden zu lassen. Diese Einrichtung wurde hauptsächlich

deshalb beibehalten, weil die Abfuhr von schwerem Stammholz in

einem grossen Theile der Vogesen wegen Mangels von brauchbaren

Strassen geradezu unmöglich war und somit das Holz nur

in Bretter oder Kleinholz zersägt in den Handel gebracht werden

konnte, was jetzt gewöhnlich vermittelst der Kanäle nach Metz

und Strassburg geschieht. Die französische Regierung hatte schon

nach und nach gesucht, die Privatsägerechte an sich zu kaufen

und ist es ihr mit einem Theile derselben auch gelungen ; aber die

Ablösung der übrigen Holzrechte durch Abtretung von Waldparzellen

an die Gemeinden oder Berechtigten wollte keinen solchen

Erfolg erringen, da die Landleute ihre alten Rechte nicht abtreten

wollten. Es wird dazu die Erlassung eines Gesetzes erforderlich

werden, damit der Wald endlich von allen solchen lästigen Fesseln

befreit wird und seine Kultur um so rationeller und sicherer vor

sich gehen kann, was um so nothwendiger ist, als die Holzpreise

nach und nach sehr gestiegen sind und auch der Bedarf beträchtlich

zugenommen hat.

Die übstbaumkultur ist in Lothringen sehr erheblich, was

hchon daraus hervorgeht, dass ihr 7082 Hektaren gewidmet sind,

also fast dopj)elt so viel als im übcrelsass. Aber sie lindet nicht

überall in gleichem Masse statt, wie auch das Klima nicht immer

80 gut dafür geeignet ist. Am stärksten ist sie verbreitet im Lnndkanton

Metz auf 1170 Hektaren, K. Ṡaarburg lO.M lleUt.. Falken-

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