Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

18. Industrie und Handel. 141

SO dass sich die Fabriiiunternehmer entschlossen, die Hüte nicht

mehr fertig zu machen, sondern das Geflecht als Halbfabrikat, das

nur wenig Zoll bezahlt, nach Nancy und Paris zu schicken, wo es

fertig gemacht wird. Dadurch entgeht aber Lothringen der beste

Theil des früheren Verdieusts, da die werthvollere Arbeit jetzt

auswärts gemacht wird.

Was den übrigen Theil der Industrie betrifft, so besteht er

in einzelnen Fabriken, von welchen nur die Papiermachedosenfabrik

von Adt in Forbach iind die Zündstreichhölzchenfabrik von

Couturier, Custer und Comp, und die Cichorienfabrik von Andre

Boecking in Saargemünd hervorragen. Das Uebrige sind meistens

Geschäfte in Metz selbst, die jedoch keinen Grossbetrieb haben.

Es sind noch folgende daselbst: zahlreiche Gerbereien, (5 Wagenfabrikeu,

5» Möbelfabriken, 6 Oelfabriken, 2 Schuh-, 2 Tabak-,

2Liqueur-, 2 Billard-, 2 Pfeifen- und 3 Bürstenfabriken, ferner je

eine Fabrik für Ambose, Pergamentweiss, Stecknadeln, Pappdeckel,

Säcke, Chemikalien, Tapeten, Schachteln, Drahtgeflechte, Nägel,

musikalische Blechinstrumente, Stühle, Spiegel, Essig und Wachs, eine

Glockengiesserei und Schifl'bauerei.

Ausserhalb dieser Stadt zu Ars

eine Papiermühle, Bolchen eine Lederlackiranslalt und

Quiiicailleriefabrik,

Forbach Formziegelbrennerei, Jouj-aux-Arches Conservenfabrik,

Marly Cichorienfabrik, Montigny Speisenudelnfabrik, Porcelette

Bohrerfabrik, Rombas Fourniersäge, Saargemünd Wachszieherei und

Fabrik von steinernen Fliesen, Sablon Cautschukfabrik, St. Avold

zwei chemische P'abriken

und eine Stärkemehlfabrik, in Sierck eine

Wachszieherei, Sohllederfabrik und Sämischgerberei, ferner in Dieuze

und Vallieres Ackerbauwerkzeugefabriken. Endlich gibt es noch

zahlreiche Gerbereien in Metz und werden daselbst von zwei Firmen

Heiligenbilder, auch Kirchenbilder und Paramente fabrieirt. Auf

dem Lande, besonders im Gebirge verfertigt man auch verschiedene

Holzwaaren, wie Holzschuhe, Schaufeln, Kübel, Bütten und selbst

sogenannte Nürnberger Waaren. Bedeutend sind endlich in den

Vogesen die Sägemühlen und Holzschneidereien, wogegen das

Müllergewerbe, die Bierbrauerei u. dergl. keinen grösseren Betrieb

aufzuweisen haben. Die früher ziemlich bedeutend gewesene Handstickerei

ist erheblich zurückgegangen.

Der Handel war in diesen Gegenden niemals bedeutend und

war namentlich kein Grosshandel. So lange die überseeischen

Wege nicht eröffnet waren und namentlich Frankreich keinen

eigentlichen Seehandel hatte, stand Metz und dadurch auch Lothringen

hauptsächlich mit Frankfurt in Verbindung und bezog daher

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