Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

18. Industrie und Handel. 143

oberen Mosel und Meurthe herbeigeführt werden und weiter nordwärts

Absatz finden. Unter den Einfuhrartikeln stehen Steinkohlen,

Spiritus und Bier so ziemlich obenan und die übrigen

Gegenstände treten nur als vereinzelte

Handelsartikel und in schwachen

Mengen auf. Für manche Gegenstände Hesse sich jedoch

noch ein erklecklicher Handel begründen, wenn es nur nicht an

unternehmenden Leuten und Kapital fehlte. Aber zum Handelsverkehr

mit Deutschland wäre es vor Allem nothwendig, dass die

deutschen Geschäftsleute sich das pünktlichere, coulantere Verfahren

der Franzosen aneigneten und nicht nachdem sie die Waaren

bezogen haben, mit der Zahlung Ausflüchte machen und nachträglich

an den Waaren selbst mäkeln.

Es soll jetzt die Mosel fertig kanalisirt und schiffbar gemacht

werden und ward auch ein Niedkanal zur Verbindung der Mosel

mit der Saar projectirt; aber gerade letzteren hat der Bezirkstag

so eben mit dem Bemerken abgelehnt, weil er darin keinen Vortheil

sehe, und er ihn nicht wolle, und die Arbeiten an der Mosel

scheinen bei Metz still stehen und nicht weiter nördlich fortgesetzt

werden zu sollen. Von Schiffen auf diesem oberen Theile der

Mosel sieht man daher nur hier und da noch einen Kahn mit Heu

oder Sand. Dagegen kommen immer noch viele Flösse an und

ist der Verkehr damit lebhaft. Ein Haupthandelsgeschäft besteht

aber im Bankverkehr und bestehen dafür mehrere grössere Häuser,

wie die Filialien der Preussichen Bank, der Luxemburger Bank,

der Elsass- Lothringer Bank und die Bankhäuser Gaudchaux und

Comp., Mayer und Comp, und Koch und Comp, nebst noch einer

Anzahl von Geldwechslern. Von diesen werden die Hauptgeschäfte

der französischen Häuser hauptsächlich mit Frankreich gemacht

und für ihre Klientel, welche zumeist französische Renten und

Werthpapiere besitzen, ist Paris immer noch der einzige Börsenplatz.

Die deutschen Häuser stehen mit Frankfurt und Berlin in

Verbindung und für deutsche Papiere sind

die Börsen daselbst massgebend.

Für Getreide- und einige andere Geschäfte werden die

Unterhandlungen in der Regel in einem der Kaffeehäuser am Rathhausplatze

abgemacht.

Eine besondere Schwierigkeit für den Handel bieten die Geldund

Münzverhältnisse. Die Elsass-Lothringische ßodenkreditgesellschaft

besorgt die Geldgeschäfte jetzt zwar für die Gemeinden,

aber sonst mangelt es so ziemlich an Geld und Kredit und es wird

noch längere Zeit schwer halten, dieselben für die Zwecke des

gewöhnlicheren Geschäftsstands flüssig zu machen. Für eine Vor-

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