Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 179

sehr prompt besorgt, dafür aber fehlen Nachtwächter gänzlich.

Das städtische, Pompierkorps ist sehr mangelhaft organisirt und

steht eine Umwandelung bevor. Wasser wird weder in Kübeln noch

in Butten getragen, sondern nur in Hänggefässen. Die Strassen

sind durchgängig kanalisirt und die Gasbeleuchtung ist gut.

Monumentale und öffentliche Gebäude sind in geringer Zahl

vorhanden , weil nur wenige Stellen in Metz waren. Was es von

solchen Gebäuden gibt, das sind Kirchen, Kasernen und Lokale

verschiedener dazu gehörender Anstalten etc. Unter den kirchlichen

Gebäuden nimmt die Kathedrale die erste Stelle ein. In

den ersten Jahrhunderten stand auf demselben Platze ein Oratorium

des heiligen Stephanus, welches auch bei der Zerstörung

der Stadt durch Attila im Jahr 451 erhalten blieb. Bischof Chrodegrand

und Karl der Grosse erweiterten es, aber von diesen alten

Grundmauern blieb nichts mehr übrig , als Bischof Thierry im Jahre

1014 die jetzige Kathedrale zu erbauen anfing. Die Arbeit stockte

jedoch bald wieder und ihr Wiederbeginn unter Bischof Adhemar

von Monteil hatte keine Dauer, bis 148tj Generalvikar Jacob von

Leiningen die Arbeiten wieder aufnehmen und eine der Seitenkapellen

erbauen Hess. Heinrich von Lothringen fing im Anfange

des sechszehnten Jahrhunderts die zweite Seitenkapelle des Chors

und die ersten Pfeiler des Schiffs an. Die gemalten Fensterscheiben

der Rose wurden gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts

von Hermann von Münster, jene des Chors zur Rechten 1521—1528

von Valentin Busch aus dem Elsasse gefertigt. Fertig wurde die

Kathedrale aber erst gegen die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts

und eingeweiht am 24. Mai 1546. Der Plan zur Kathedrale stammt

von Peter Perrat, der auch in der Kirche begraben wurde. Sie

hat eine Länge von 121 M. 16 innerhalb und von 128 M. 62

ausserhalb der Mauern und unter der Wölbung eine Höhe von

43 M. Die Breite des Schilfs, dessen Gewölbe von 34 Pfeilern

von 3 M. Durchmesser getragen w^ird, ist 15 M. 65, die der Seitenschiffe

7 M. 3; dieselben sind 14 M. hoch. Die zahlreichen Lichtöffnungen

geben dem Gebäude ein ungemein leichtes Aussehen.

Die Thurmspitze, ein Werk von Heinrich Ranconval von Metz,

ist elegant und kühn ausgeführt, ganz durchbrochen und mehr als

85 M. hoch. Der Thurm, auf welcher dieselbe sich erhebt, wurde

1381 auf Kosten der Stadt erbaut, welche dahin auch die grosse

Glocke Mutte stiftete, die 1427, 1442, 1447, 1479 und 1605 umgegossen

wurde und 13,000 Kilogramm wiegt. Die Glocke Marie,

1438 gestiftet und im zweiten Thurm, hat nur 8000 Kilogr. Schwere.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine