Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

IgQ IL Topographie.

Die Glocke la Mutte wurde vor 1552 nur dreimale im Jahre geläutet,

nämlich zu Ehren des Kaisers, zur Wahl des Kürgermeisters

und zu derjenigen der dreizehn Rathsherren, sonst nur

ausnahmsweise als Ruf zu den Waffen, wenn eine Gefahr drohte.

Als daher Kaiser Friedrich III. bei seiner Anwesenheit auf dem

Thurme den Wunsch aussprach die Glocke zu hören, lehnte man

es ab, weil sonst das ganze Land in Aufregung gebracht würde.

Unter französischer Herrschaft wurde bis zur Revolutionszeit bestimmt,

dass die Glocke allabendlich um sechs Uhr eine Viertelstunde

lang zu Ehren des Königs läute. Am 22. März 1872 wurde

sie sodann zum erstenmale wieder zu Ehren des deutscheu Kaisers

geläutet , freilich nicht auf eigenen Antrieb des Gemeinderaths. Bis

l'S40 war dieser Thurm mit einer hölzernen Spitze versehen, die

von Deny begonnene Thurmspitze, ähnlich der andern, wurde aber

nicht vollendet. Im linken Seitenschiffe befindet sich eine Wanne

aus antikem Porphyr, die lange als Taufstein diente und unter dem

Kamen I'uits de Jehan bekannt war^ sie ist von ovaler Form

und wurde in den Ruinen der römischen Bäder gefunden; sie ist

10 Fuss lang, 4 F. breit und 31/2 F. hoch. In der Sakristei zeigt

man einen sehr alten Mantel, der mit Goldfaden und rother Seide

gestickt ist und Adler mit ausgebreiteten Flügeln zeigt. Man

schreibt ihn Karl dem Grossen zu, er stammt aber höchstens aus

dem neunten Jahrhunderte und keineswegs von diesem Kaiser.

Es befinden sich ferner in der Kathedrale zwei Bischofsstäbe von

Elfenbein, der eine aus dem eilften, der andere von deutscher

Arbeit aus dem fünfzehnten Jahrhunderte. Ausserdem enthält der

Domschatz noch einige alte und seltsame Kelche. Hinter dem Chor

befindet sich ein alter Bischofsstuhl von grünlichem Marmor, der

aus einer römischen Säule ausgehauen ist und Sessel des heiligen

Clement genannt wird, ein sehr alter Ueberrest, der vielleicht ans

den ersten Zeiten des Christenlhums an der Mosel stammt. In

der Kathedrale zeigt man auch die komisch -groteske Figur dt^

Graouilli. Die Kathedrale hat nur noch wenige Malereien, da

man die geschmacklosen Bilder der Kreuzsiationen wieder entfernte

und blos zwei der besten, die Geisselung und Petrus auf dem

Wasser gehend, übrig Hess. Die Glasmalereien wurden restuurirl

und in mehreren gothischen Fenstern durch neue ersetzt von den

Metzer (iluHmalcrn Murrchal und Gugnon. I^-idcr hat man im

Jahre 17(>4, um eine Uebcreinstimmung mit den benachbarten

Bauten herzustellen,

ein geschmackloses, mit der Bauart der Kirche

im Widerspruch stehendes Portal von Blundel angefügt. Die deutsche

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