Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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II' Topographie.

die römischen Soldaten aus uns unbekannter Ursache über die Bewohner

der Stadt herfielen und deren an viertausend erschlugen,

bis endlich ihr Führer Valens wieder die Ordnung herstellte.

Im Verlaufe der Zeit wandelte sich Divodurum, wie damals

Metz hiess, in eine ganz römische Stadt um. Sie bildete den

Mittelpunkt für sechs römische Ileerstrassen, die nach allen Richtungen

zogen, und bald erhoben sich daselbst ein Amphitheater,

öflFentliche Bäder, Tempel, militärische Stationsgebäude, eine Wasserleitung

und was für das verfeinerte Leben der Römer nothwendig

war, deren Sprache und Sitten sich sogar nach und nach hier

einbürgerten. Diese römische Oberherrschaft dauerte fünf Jahrhunderte

und war nur zweimale durch blutige ZwischenJalle gestört

worden. Im Jahre 262 zur Zeit der Regierung von Gallienus

fiel König Chrocus von Mainz her in das Land, bemächtigte sich

der Stadt und erschlug deren Bewohner, und fast zwei Jahrhunderte

später, 451, erschien Attila zur Osterzeit, erstürmte die

Stadt, liess die Bewohner ermorden und legte die Häuser in Asche.

Der allgemeinen Zerstörung entging nur das Oratorium des heil.

Stephanus, ein kleines Kirchlein, das da stand, wo später die

Kathedrale erbaut wurde. Damals gingen auch alle die grossen

Bauten zu Grunde, welche die Römer hier errichtet hatten, denn

alle Trümmer derselben, welche man in neuerer Zeit wieder auffand

und welche leider nicht geschont und erhalten wurden , trugen

deutlich die Spuren des allgemeinen Brands an sich. Diese Gebäude

wurden nicht wieder aufgebaut, aber die Stadt erholte sich

nacii und nach wieder und gewährte noch 4b(> an Siagrius, Sohn

von Aegidius und letztem römischen Beherrscher des Landes, ihre

Gastfreundschaft. Wenige Jahre darauf war die römische Herrschaft

vollständig gebroclien und Metz unterwarf sich 510 dem

Sieger Clovis. Lange zuvor, wahrscheinlich am Ende des dritten

Jahrluiuderts, halte schon das Christcnthum hier Eingang gefunden

und der heilige Clemens war der Sendbote, welcher es in

dieser Gegend verbreitete und viele Anhänger dafür zu gewinnen

verstand, lieber sein Leben und Wirken hat die nachmalige Zeit

viele Fabeln verbreitet, aus welchen nur so viel als sicher hervorgeht,

dnss er die Priester des heidnischen Kultus vorlricl) und auf

dem höchsten Theile der Stadi, auf den TrUnimern römischer (JobUudc,

das Kreuz errichtete und in einer Kapelle den christlichen

Kultus einführte.

AI» Clovi« im Jahre 511 starb, thcilten sich seine vier Söhne

in da» Reich, und der Ulleste, Thicrry, erhielt das Gebiet, das

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