Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

I. Stadtkreis Metz. 199

ihren Wohnsitz und die Stadt stand mit ilinen in persönUcher Berührung,

hatte auch einigen Einfluss auf die Streitigkeiten und

Kämpfe unter den MitgUedern der Herrseherfamilie, wie sie andererseits

wieder die Folgen derselben an sich empfinden musste. Nun

aber war der Herrischer ferne, seine Besuche erneuerten sich nur

in weiten Zwischenräumen, sein direkter Einfluss verminderte sich

nach und nach und die Stadt war sich mehr selbst überlassen.

Je mehr aber die Grossen des Landes an wilde Fehden, Plünderungen

und gegenseitige Zerstörungen gewöhnt waren, desto mehr

musste dem Reiche daran liegen, dass diesen wieder ein kräftigerer

Widerstand entgegengestellt werde. Das System, welches

jenseits des Rheins die Gaugrafen auflcommen Hess zur Verwaltung

der Rechtspflege und Sicherheit und über diesen Herzoge stellte,

zeigte sich auch an dieser Westgränze, wo über grössere Länder-;

strecken Herzoge geboten und in den Städten und Distrikten besondere

Grafen walteten. Solche waren auch für Metz bestellt,

wo sie die Stelle des Magistrats versahen, die Rechtspflege besorgten,

die Truppenaufgebote befehligten und lUr die allgemeine

Sicherheit und den Frieden sorgen sollten. Das Amt dieses Grafen

war ein erbliches und von 765 bis 1220 walteten desselben nicht

weniger als achtundzwanzig Inhaber, jedoch mit immer mehr sich

verminderndem Ansehen, bis das Amt durch Gertrude von Folmar

und Dachsburg an deren Gemahl Thibaut von Lothringen kam und

mit diesem erlosch, nachdem es schon lange vorher vor der steigenden

inneren Entwickelung der Stadt Metz verblasst war. Das

Herzogsamt hatte sich hier nicht einmal so dauernd entwickeln

können und erscheint sogar nur in Zwischenräumen, denn es

kamen in dieser Gegend verschiedene Territorialheri'en zu Macht

und Ansehen und zu gleicher Bedeutung schwang sich durch seinen

zunehmenden Länderbesitz der Bischof von Metz auf, neben welchen

für einen Herzog kein rechter Platz mehr war. In Metz selbst

mochte schon von den Römerzeiten her sich

ein gewisses Gemeindewesen

oder Municipalrecht erhalten haben, das .sich still weiter

•entwickelte und einen grösseren Umfang annahm, je mehr diese

Stadt sich während der vielen Wirren der Zeit auf sich selbst angewiesen

sah und mit eigener Kraft die vielen AngrifTe abweisen

musste.

Aus der nun folgenden Zeit liegen gar keine authentischen

Aktenstücke vor, welche die innere Entwickelung der Stadt und

ihr Verhältniss zum deutschen Königthume aufklären könnten, denn

ein späterer Bischof, der die Stadt unter seine Botmässigkeit zu

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