Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

200 !'• Topographie.

bringen suchte, hat die wichtigsten Aktenstücke aus dem städtischen

Archive entwenden lassen und das Gleiche scheint im Anfange

des vorigen Jahrhunderts durch Angehörige des geistlichen

Stands geschehen zu sein. Allein es ist anzunehmen, wie es auch

in den rheinischen Städten Speyer, Worms und Mainz geschah,

dass eigentlich der Bischof keine oberherrlichen Rechte über das

städtische Gemeindewesen selbst besass, aber sein persönliches Ansehen

und seine Rechte an kirchlichen Gebäuden und Instituten

sowie an Besitzthümern innerhalb und ausserhalb der Stadt ihm

bezüglich der städtischen Verwaltung einen erhöhten Einfluss gewährten,

welchen einige ehrgeizige Bischöfe noch weiter auszudehnen

und zu einem wirklichen Rechte zu erheben suchten. Wir

finden daher schon desshalb kein Aktenstück, worin der Kaiser

die Stadt für reichsunmittelbar erklärte, denn letztere bestand

von selbst und wurde nicht erst ertheilt und wenn später Abkommen

mit den Bischöfen über die gegenseitige Rechtsstellung

erfolgten, so geschah es nur, um unbegründete Ansprüche abzuschneiden

und eine Gränze beider Rechte zu ziehen. Es scheint

auch durchaus nicht auf ein gewisses Unterthänigkeitsverhältniss

zu deuten, dass in dem Streite zwischen den beiden Bischofskandidaten

Walberon und Thierry sich die Stadt auf die Seite des

Letzteren schlug und dadurch nicht blos eine Verheerung ihrer

Besitzungen,

sondern auch eine lauge Belagerung aushalten musste,

denn Stadt und Bischof scheinen vielmehr gleichmässig im Moselherzoge

Theodorich einen

gemeinsamen Bedroher ihres Besitzlhums

gesehen zu haben. Thierry legte übrigens 1014 den Grundstein

zur Kathedrale und Kaiser Heinrich II. selbst kam 1023 nach Metz

und erwies sich sehr freigebig gegen die Kirche und Heinrich III.

hatte daselbst 104G eine Zusammenkunft mit Heinrich I.

von Frankreich.

Wenn dann dieser das Moselherzoglhum an Gerhard vom

Elsas» verlieh, so war dies um so mehr ein Grund dafür, dass

die Stadt mit dem Rischofe zusammenhielt, denn gerade dieser

Gerhard ward durch Erbschaft Besitzer des Ilerzogthums Lothringen,

in welchem der kräftigste und andauerndste Gegner für

Stndt und Bisthum Metz erwuchs. Gerhard selbst hatte als Moselheraog

noch Met/, zur Residenz und erregte zur Zeit der Kämpfe

des Kaisers Heinrich 1V^ auch innere Unruhen, ja er war es auch,

der nach Rudolphs Tod in Hermami von Metz, aus dem Hause

Salm in den Ardennen, einen Gegenliönig, wenn auch erfolglos,

aiif/.UHtellen suchte. Noch mehrmals wurden bei solchen Bischofshlreitigkcilen

die UmgebungcD der Stadt verheert, über die Melzer

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