Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 201

hielten doch zum Kaiser, der 1107 nach Metz kam, und verjagten

sogar den gewählten Bischof Stephan von Bar, der erst später

seinen Sitz einzunehmen vermochte. Auch der neue Herzog Theodorich

von Lothringen konnte seine Residenz nicht mehr in Metz

behalten, sondern verlegte sie nach Chatenay und sein Sohn in

die erst entstehende Stadt Nancy, nachdem übrigens ein Theil von

Lothringen wieder verloren war.

In diesen Zeiten der Bewegung wurde die Stadt Metz ihrer

Kraft bewusst, und es scheint, dass ihr erster Gemeindebeamter

sich ebenfalls mehr Autorität zu verschaffen verstand. Als solcher

wird ein Maitre - Echevin (Bürgermeister) schon im Jahre 1032 genannt,

die Würde selbst aber scheint schon viel früher bestanden

zu haben und aus allgemeinen Wahlen hervorgegangen zu sein,

welche aber bald Zvvistigkeiten veranlassten, zumal die Würde

anfangs lebenslänglich war und der damit Bekleidete leicht dem

Stolze und der Herrschsucht verfiel. Die Bürgerschaft suchte daher

eine Aenderung in ihrer Gemeindeverwaltung herbeizuführen, welche

die Machtsphäre und die Dauer dieses Amts einschränken und die

Wahl selbst vereinfachen sollte. Um dies zu bewirken, erschien

die Mithülfe des immer eine grosse moralische Einwirkung besitzenden

Bischofs sehr nützlich, und da man sich dabei auch mit

ihm endgültig aus einander setzen konnte , so übernahm es Bischof

Bertram im Jahre 1179, ein Statut zu entwerfen, welches künftig

für die Leitung der Gemeindeverwaltung massgebend sein sollte

und zu besserer Sicherung auch 1181 die Bestätigung von Kaiser

Friedrich Barbarossa und 1185 vom Papste Urban III. erhielt.

Dieser Akt ging also nicht etwa aus einem Vertrage hervor, den

die Stadt mit dem Bischof schloss, um ihn zur Anerkennung ihrer

Unabhängigkeit zu veranlassen, wie Manche behaupten, und dies

erhellt auch am besten aus dem Umstände, dass sie neben den

ersten anderen Reichsstädten an den Reichstagen Antheil nahm,

welches Recht sie auch ohne dieses Statut besass und gar nicht

erst vom Bischöfe zugesprochen erhalten konnte. Ein deutscher

Reichsstand konnte aber auch gar nicht von einem Bischöfe abhängig

sein und hatte der Bischof sich Rechte über denselben anmassen

wollen, so waren sie durchaus unberechtigt.

Nach diesem Statute wurde der Bürgermeister nicht von den

Bürgern selbst, sondern von solchen erwählt, die man vermöge

ihres Standes und Amts als unparteiisch erachtete, nämlich vom

Domdechanten und den Aebten von Gorze, St. Arnould, St. Clement,

St. Symphorien und St. Vincent, also gerade nur von Aebten des

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine