Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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II- Topographie.

Benediktinerordens, welcher die meiste Gelehrsamkeit und Bildung

in sich vereinigte. Diese traten am 21. März, dem Tage des

heiligen Benedikt, zusammen, und zwar in der Kirche St. Pierreaux-

Images neben der Kathedrale, und erwählten unter den mindestens

dreissig Jahre alten Hausbesitzern den Befähigtesten zum

Bürgermeister auf ein Jahr, worauf der Gewählte den Eid leistete.

Seit dem Jahre J3(>5 wurde ihm auch die Verbindlichkeit auferlegt,

sich an Pfingsten zum Ritter erheben zu lassen. Er war

nun Verwalter und Leiter aller Angelegenheiten der Stadt und

ihres Gebiets, führte die auswärtigen A'erhandlungen, legte Steuern

und Abgaben auf, ernannte die städtischen Beamten und urtheilte

bei Berufungen in Processen, überhaupt alles Wichtigere, was

die Stadt und ihre Interessen betraf, lag in seiner Hand. Zur

besseren Erledigung dieser Geschäfte umgab er sich mit zwölf

tJchevins oder Gemeinderäthen , die er aus der Bürgerschaft nahm.

Mit der Zeit erlangten auch in Metz einige reichere Familien mehr

Einfluss und Ansehen, zumal vorzugsweise aus ihnen der Bürgermeister

und dessen Beisitzer gewählt wurden, und so bildete sich

in ganz gleicher Weise, wie in den anderen deutschen Reichsstädten,

ein Patriziat, hier Paraifjvs genannt, welches einerseits

allein die städtischen Angelegenheiten zu verwalten in Anspruch

nahm und die anderen Familien davon ausschloss, und andererseits

die Gewalt des Bürgermeisters wieder einschränkte, da derselbe

nach und nach mehr oder weniger an ihre Zustimmung gebunden

war. Solcher Gruppen von Patriziern gab es zuerst fünf,

die sich nach besonderen Strassen oder Stadtvierteln nannten,

wahrscheinlich weil sie daselbst urvsprünglich düs Lokal für ihre

Zusammenkünfte (in Basel z. B. Stube genannt) hatten, im Uebrigen

aber beliebig in allen Stadttheilen wohnten. Es waren dies die

Paraiges Outre-Seille, Jurue, Porl-Saillis, Porle-Muzelle und Saint-

Martin, wozu später noch die sechste unter dem Nnmen Commtm

kam, in welche alle jene Familien eingereiht wurden, welche

nach und nach durch Ansehen und Reichthum cm))orkamen und

es endlich durchsetzten, dass man sie ebenfalls am Sdidlregiment

Antheil nehmen Hess, ein \ organg, der sich in allen deutschen

Keichsslädten gleichmässig zeigte. Diese Puraiges scheinen selbst

über die Aufnahme in ihrcri Kreis «Milsrhieden zu liabt-n, denn

Mie Hessen nicht blos die dircklen Alikömmlinge, .sondern auch

\'crwnn(lte und Verschwägerte zu. Jede dieser Paraiges hatte ihr

«•igiMie« Wappen und Hiegel, tind zwar führlen darin die Porte

Miizelle einen Balken, Jurue einen Adler, Sl. Martin goldene

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