Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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1^- Topographie.

Huguignon, der wegen eines Streits mit den Dreizehnern aus der

Stadt verbannt war, verband sich nämlich mit den andern Metzgern,

um das Stadtregiment umzuwerfen; aber es wurde entdeckt,

der Metzger gefangen und mit seinem Bruder ertränkt, was auch

denjenigen seiner Genossen geschah, die nicht entfliehen konnten.

Wenn die Bürgerschaft sich dabei auch ruhig verhielt, so war sie

doch im Herzen mit dem Metzger einverstanden. Die Metzer

nahmen daher gerne die Gelegenheit wahr, die Bürgerschaft mit

einem auswärtigen Kampfe zu beschäftigen, und da die Herzogin

von Lothringen gerade mit dem Bischöfe wegen Chäteau-Salins

im Streite lag, so ergriffen sie des letzteren Partei und drangen

sogar bis unter die Mauern von Nancy vor. Zufällig kam Kaiser

Karl IV. 1354 nach Metz, wo er einen feierlichen Empfang erhielt,

und dieser Hess die Streitenden zusammen berufen und sich vertragen,

ohne dass sie sich aber lange daran kehrten, weshalb die

Verheerungen bald wieder aufs Neue begannen. Ungeachtet der

Noth der Vaterstadt war in dieser Zeit der Metzer Johann Drouin

seiner Pflicht gegen dieselbe so vergessend, dass er in die französische

Armee trat und im Kampfe gegen die Engländer fiel.

Der Kampf ward nur unterbrochen dadurch, dass der Kaiser 1356

auf vierzehn Tage mit den Grossen seines Reichs nach Metz kam,

um dort die goldene Bulle zu verkündigen, worauf auf dem Champa-Seille

ein grosses Gastmahl stattfand, das die Stadt 1600 Eres,

(nach heutigem Gelde etwa 14,400 Frcs.) kostete und mit grossen

Feierlichkeiten verbunden war, bei welchen der Kaiser in seinem

vollen Ornate auf dem Throne süss. Derselbe empfing in Metz

auch den Dauphin Karl von Frankreich und ordnete manche Reichsangelegenheiten.

Die Stadt machte ihm reiche Geschenke, wie

üblich. Während seiner Anwesenheit sollen ihm gewisse Metzger.

alte Aiiiiänger Huguignons, den Vorschlug gemacht haben, die

Stadt durch einen Aufstand ihm in die Hand zu spielen, und der

Kaiser habe dies nur auf Zureden des Kardinals Piergort abgolchnl.

die Sache dem Magi.itrat gegen das Versprechen, die \'crsc liw (»im

nicht zu bestrafen, mitgetheilt, die Stadt aber solche doch schon

in der nüchsten Nacht ertränkt haben. Allein ist diese ErzählunLi

einiger Chronisten schon an und für sich unwahrscheinlich, so isi

es geradezu undenkbar, dass der Kaiser, wenn er wirklieh ge-

Hcliwankt hätte, das Anerbieten der Metzger anzunehmen, einen

Kardinal darüber zu Käthe gezogen hätte, und es i.^t ebenso nicht

cinxuschen, was der Kaiser mit Metz habe anfangen sollen.

Nach der Abreise des Kaisers begaim der inzwischen slill

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