Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

210 ll- Topographie.

Stadt, so dass sie in die grösste Gefahr gerieth und vergebens

den König Ruprecht anrief, da dessen Vermittehing nicht zum

Ziele führte. EndHch erbot sich der Herzog von Lothringen gegen

eine Pension von oCK) Livres der Stadt zur Hülfe. Inzwischen

hatten

unzufriedene Bürger dem Herzoge von Bar Versprechungen

gemacht und so bot dieser der Stadt den Frieden unter der Bedingung

der Unterwerfung an, die natürlich energisch zurückgewiesen

wurde. Der Graf suchte hierauf die Stadt zu überrumpeln,

indem er Waffen, ^lunition und Soldaten auf die Insel

St. Symphorien auf Schiffen schaffen liess; aber die Feinde geriethen

Angesichts der Stadt in Furcht, nachdem sie schon die Leitern

zur Ersteigung bereitet hatten, und flohen zurück; bald verlor

auch der Graf durch die Ermordung des Herzogs von Orleans

seinen besten Verbündeten und so erfolgte denn am 2. Juli 1408

der Frieden mit diesem und am 25. mit Salm und Nassau -Saarbrücken,

in welchem jeder Theil seine Kosten behielt.

Mit Lothringen dauerte übrigens die Freundschaft nicht lange,

denn als die Metzer 1415 mit dem Grafen von Bar die Burg

Saulc}- brachen, weil ihr Besitzer, ein lothringischer Unterthan,

einen der Gesandten des Grafen gefangen und eingesperrt hatte,

SD erklärte sich Herzog Karl von Lothringen zu Gunsten seines

Untergebenen. Ferry von Chaml^ nahm 1418 durch Verrath die

Metzer Veste Enner}', welche nun der Herzog nur gegen 16,000

Gulden wieder herausgeben wollte, am 10. October 1423 löste

der Herzog die Allianz mit Metz auf und 1427 gab eine Streitigkeit

wegen des Abts von Ben St. Martin wieder neue Ursache

zum Kriege, während es auch im Innern gährte. Zwei Brüder

der Cordeliers aus der Familie Haudes predigten nämlich hel'tig

gegen die Mönche und die Herren , und besonders Bruder Wilhelm

that es mit solcher Ueberredungskunst und Kühnheit, dass zwar

kein Aufruhr entstand ausser einer schnell unlerdrückteu Erhebung

im Jahre 1430, aber die Stadt den Bruder zur Verantwortung

zog. h> donnerte zwar nur um so heftiger gegen die

Herren, verliess aber bald darnuf die Stadt, als sich Korn in die

Sache mengte. Die Kirche der Cordeliers sollte nun zwar geschlossen

werden, es geschah aber nicht, und die von Bruder

Wilhelm gemachten Schilderungen von den Missbräuchen der Religion

und Geibtlichkeit blieben in den Gemüthwn luifUMi und m-

l)eiteten der Reformation vor.

IndetKtcn wurde der Krieg mit dem Herzoge von Lothringen

und dcMcn Verbündeten, die 10,0(K) Reiter und 2(>,000 Fussgünger

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