Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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II' Topographie.

seiner Frau weg; der Herzog aber ergriff gerne die Gelegenheit,

um sich seiner Schulden zu entledigen. Da König Karl VII. von

Frankreich gerade einen Waffenstillstand mit England geschlossen

hatte und seine Söldnerschaaren unbeschäftigt waren, ergriff derselbe

gerne die Gelegenheit sich mit dem Lothringer Herzoge zu

verbinden und es standen so plötzlich 60,001) Mann auf dem Metzer

Gebiete, ohne dass die Metzer selbst diese Gefahr herannahen

sahen. Sie rüsteten sich daher mit äusserster Anstrengung, besetzten

die Mauern mit Geschützen, reinigten und erweiterten die

Gräben, zogen die Bewohner der Dörfer in die Stadt und erwarteten

bewallhet den Angriff. Am 10. September rückten 10,000 Franzosen

im Metzer Gebiet ein und gelangten noch bis Moulins. Der

Krieg, welcher nun folgte, war ein sehr erbitterter; die Schlösser

und Dörfer wurden beraubt und verbrannt von den zahlreichen

Banden, welche man nur die Erwürger und Halsabschneider hiess,

und das ganze Land umher wurde verlassen und verödet. Die

Stadt aber, welche rechtzeitig für Munition und Lebensmittel gesorgt

hatte, hielt sich sehr tapfer, machte Ausfälle und warf am

22. September einen Angriff auf die Wälle zurück. Darauf erfolgten

Friedensverhandlungen in Nancy, da aber König Karl VII.

nichts weniger als den Besitz der Stadt selbst verlangte, so erklärte

diese, niemals dem .grossen kaiserlichen Adler untreu zu werden

und die Verhandlungen wurden abgebrochen. Die Metzer brannten

nun die Orte der Umgebung nieder, um dem Feinde kein Quartier

zu lassen, nahmen am 2. November das Schloss Crepy, das

freilich die Soldaten in plötzlichem Schrecken wieder aufgaben, und

griffen wiederholt die Feinde an. Endlich eröffnete man am 12. Januar

1445 zu Pont-d-Mousson wieder neue Friedensverhandlungen

und da man auch das Geld zu Bestechungen nicht sparte, so kam

es endlich am letzten Februar zum Frieden auf zehn .Jahre mit

Frankreich und am 5. März mit Lothringen. Es wurden Schlösser

und Gefangene gegenseitig herausgegeben, aber die Stadt musste

den Frieden theuer bezahlen, denn sie unterschrieb dem Seneschall

von Anjou, l'eter von Breze, eine Obligation für 10,0(JO Goldgulden

und bezahlte nach und nach eine Summe von 74,000 fl.,

wa« zusammen nach unserem heutigen Geld etwa sechs Millionen

Franken ausmacht; dem Herzoge von Lothringen aber erliessen sie

alle seit dreissig Jahren ohne Pfand oder Hypothek in Metz aufgeritmunenen

Summen und diese betru;.ien auch sieben Millionen

Franken. Von den zahlreichen Gefangenen kehrten nur X)i) nach

Metz und 22 nach Frankreich und Lothringen zurück, die übrigen

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