Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

214 II- Topographie.

Freigebigkeit beherbergt. Im Jahre 1402 zog der Streit um das

Erzbisthum Mainz auch Metz in Händel mit Bischof und Domkapitel,

welche die Stadt verliessen und die Kirchen schlössen;

doch schlichtete endlich das Jahr 1465 den Streit, die Metzer bequemten

sich zu der harten Bedingung, den Geistlichen wieder

das Recht der Nachfolge und Erbschaft zu gestatten und letztere

kehrten 1467 in feierlicher Procession in die Stadt zurück. Es mag

sein, dass schon während dieses Streits der König von Frankreich

zu Gunsten der Metzer einzuwirken suchte, denn er glaubte sie

bereits zu seinem Zwecke gestimmt zu haben und schrieb ihnen

daher bereits 1464, sie möchten sich ihm unterwerfen, was diese

aber mit der vorsichtigen Bemerkung ablehnten, dass ihnen diese

Forderung doch als zu befremdend und überraschend komme,

worauf König Ludwig sein übereiltes Vorgehen entschuldigte und

durch anderweitige Freundlichkeiten wieder vergessen zu machen

suchte.

Wenige Jahre darauf erneuerte Herzog Nikolaus von Lothringen

die alten Absichten seines Hauses auf Metz und liess zu

diesem Zwecke durch gute Kundschafter die Vertheidigungswerke

der Stadt genau erforschen, denn er wollte nun einen Handstreich

versuchen. Zuerst wählte er dazu eine nach Pont-a-Mousson ausgeschriebene

Versammlung der Melzer Herren, welche von ihm

Lehen trugen; aber gewarnt blieben dieselben weg. Dann schickte

er in der Stille der Nacht zehntausend Mann unvermuthlich ins

Land, die am frühen Morgen des 9. April 1497 vor den Thoren

erschienen, um durch List den Eingang zu gewinnen. Ein Ritter

Krantz, genannt mit dem grossen Bart, hatte zu diesem Zwecke

(inen grossen Wagen mit Fäf»sern erbaut, und langte mit einer

Anzahl anderer Wagen mitWaaren, aber geführt von verkleideten

lothringischen Soldaten, vor das Thor Serpenoise, um in die Stadt

zu fahren. Als man ihnen unbesorgt das Thor öfTnete, Hessen

diese Leute den grossen Wagen unter dem Thore halten um zu

verhindern, dass das Fallgitter den Eingang plötzlich wieder versperre,

und die Soldaten fielen sofort unter dem Rufe: „die Stadt

ist unser, tftdtet Alles, Frauen und Kinder, schonet nichts, es

lebe Culabrien und I^othringen'^ über die Wächter her, die sie

tödteten, tmd drangen bis in «lic Mitle der jetzigen Ruc Serpenoise

vor. Alles kam natürlich dndurch in Bestürzung, die Einwohner

liefen in grösster Unordnung zusammen und die Lothringer wären

ohne Zweifel in kürzester Zeit durch Zuzug von aussen bis zur

Ucberunicht vcrHfiirkl worden, wenn nicht die (Jeislesgegenwart

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine