Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 215

und Uuersehrockenheit des Bäckers Harelle den Erfolg vereitelt

hätte. Da er in der Nähe des Thors wohnte, eilte er sofort auf

den Thurm desselben und Hess die Fallgitterstangen, welche nicht

auf dem Wagen aufgestossen waren, zu dessen Seiten ganz herab,

so dass der Eingang für Wagen und Pferde gänzlich versperrt und

sogar für Personen sehr ersehwert war. Er selbst durcheilte sodann

die Strassen, rief die Bürger zusammen, feuerte sie an und

drang mit ihnen auf die P^indringlinge los, welche nicht mehr aus

der Stadt konnten und mit ihrem Anführer Kranz zum grössten

Theile erschlagen wurden. Die Metzer verloren nur drei der

Ihrigen und hatten drei Verwundete, die Lothringer Hessen aber

WO Todte und 4 Standarten zurück. Als der Herzog Kunde davon

bekam , zog er rasch wieder nach Pont-a-Mousson und wollte zwar

Vergeltung üben, bequemte sich aber doch , einen Waffenstillstand

einzugehen, den er nicht mehr unterzeichnen konnte, da er im

Juli starb, den aber sein Nachfolger Ren6 II. sofort in einen

wirklichen Frieden verwandelte.

In demselben Jahre 1473 kam Kaiser Friedrich HI. nach

Metz und wurde daselbst feierlich mit seinem Gefolge von Grossen

empfangen; er bestätigte dabei die Privilegien der Stadt und

empfing dagegen den Eid der Treue, doch waren die Metzer

immer in grosser Zurückhaltung und Besorgniss, so dass sie es

sogar ablehnten, als der Kaiser den Glockenthurm der Kathedrale

bestieg, die grosse Glocke la Mutte läuten zu lassen, angeblich

weil dies die Umgegend beunruhigen könnte, in der That aber

wahrscheinlich, weil sie befürchteten, er habe dadurch seinen

auswärts liegenden

Schaaren das Zeichen geben wollen,' die Stadt

zu überfallen, eine Besorgniss, die gewiss unbegründet war, aber

wahrscheinlich von der französischen Partei unterstützt wurde,

welche Metz gegen den Kaiser in Misstrauen zu erhalten suchte.

Damals verlangte auch Karl der Kühne von Burgund, welcher

ein Bündniss mit der Stadt geschlossen hatte, Einlass für seine

10,000 Soldaten, aber die Stadt Hess solche nicht hinein, und so

bedrückten sie nur das Land. Der Kaiser selbst begab sich von

Metz nach Trier, um mit dem Herzog von Burgund zusammen

zu kommen, aber sie geriethen doch mit einander in Kampf, und

du Herzog Karl Neuss vergebens belagerte und wieder abziehen

niusste, so zog er nach Lothringen und rückte sogar in Nancy

ein. Die Metzer waren wegen dieses Siegs über ihren lothringischen

Erbfeind sehr froh, beglückwünschten den Herzog deshalb

und erhielten von ihm einen grosi^en Theil der in Nancy erbeuteten

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