Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 219

Um diese Zeit begann in Deutschland die Reformation und

die kircliliehe Bewegung drang auch bis Metz, wo man schon zu

Ende des zwölften Jahrhunderts die Bibel zu lesen begonnen hatte,

bis dies Bischof Bertram und der Papst verboten. Einige Anhänger

der Keformation kamen schon 1524 nach Metz, um zu

predigen, was ihnen der Magistrat nicht erlaubte, aber bald kam

der Augustiner -Mönch Johann Chatelain in die Stadt, ein Mann

von glühender Ueberzeugung und grosser Rednergabe, und diesen

schützte der Metzer Notable Philipp Dex auch gegen die Einsprache

der geistlichen Orden. Aber die Mönche verschworen sich gegen

ihn, er ward durch den Verrath des ihn begleitenden Mönchs

Bonnetrain aus der Stadt gelockt, gefangen und von Gorze nach

Vic gebracht, wo er entschlossen und mit heiterer Stirn den

Feuertod erlitt. Als man dies in Metz erfuhr, erhob sich das

Volk, plünderte und zerstörte das Ordenshaus der Antoniter, verheerte

die Güter der Abtei Gorze und rief laut um Vergeltung an

den Mördern des Glaubensmärtyrers. Erst die bewegte Ermahnung

des greisen Andrieu von Reneck beschwichtigte die Gemüther

wieder, und wenn auch einige Führer des Aufruhrs denselben

mit dem Leben büssen mussten, so hatte doch die Sache der

Reformation Boden gewonnen. Der Ausbruch des Bauernkriegs,

der sich auch weithin nach Westen verbreitete, und selbst Strafmandate

gegen die Lehre Luthers konnten nichts mehr helfen,

und nur die Verbrennung des Wollkämmers von Meaux, Johann

Leclerc, der angeblich die Heiligenbilder insultirt haben sollte, hatte

augenblicklich einige Wirkung. Die Reformation fand nicht mehr

blos bei den unteren Ständen Anklang, sondern auch bis in die

oberen hinein, und drang sogar 1531 bis in die Klöster von Metz,

als Philipp Dex sie besuchte, um die Reichthümer derselben zu

inventarisiren. Im Jahre darauf wurde sogar Kaspar von Heu,

Anhänger Luthers und in Vei'kehr mit den Protestanten Deutschlands,

zum Maitre-echevin von Metz gewählt. Die Anhänger der

Reformation hatten sodann auch eine eigene Armee im Lande,

welche Graf Wilhelm von Fürstenberg zu Gorze kommandirte,

der nur den Missgriflf beging, auch nach Metz zu kommen, dessen

Bürger über seine Absichten misstrauisch wurden und ihn vertrieben,

wobei demselben einer seiner Leute getödtet wurde. Mit

ihm M'ar Wilhelm Farel nach Metz gekommen, nachdem er in

der Schweiz für die Reformation gewirkt hatte, und dieser begeisterte

wieder die Metzer Bürger für seine Sache, bis ihn die

Mönche zwangen, sich nach Älontignv zurückzuziehen und dort

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