Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 221

spalten, der König seinerseits erklärte auch nur als Beschützer

der Freiheit in Deutschland auftreten zu wollen und das Volk

selbst war durch die vielen Kriege zu hart mitgenommen worden,

als dass es nicht ganz gleichgültig geworden wäre. Aber es ist

jedenfalls unwahr, wenn man ihm vorwirft, dass er auch eine

Veränderung und den Sturz des aristokratischen Regiments gewollt

hätte, denn zu jener Zeit, wo die Mitglieder der Paraiges nur

noch 25 zählten, hätte das Volk eine Aenderung auch sonst unschwer

bewirken können. Die Wahrheit ist vielmehr, dass die

Mitglieder der französischen Partei das Volk in Sicherheit wiegten

und ihm absichtlich die Gefahr verbargen, deren Herannahen sie

ganz wohl kannten, denn als Kaiser Karl V. gekommen war,

hatten sie es doch nicht an allen Vorsichtsmassregeln fehlen lassen.

Als daher König Heinrich H. sein Heer in Bewegung setzte und

die Vor(ruj)pen vor Gorze erschienen, sowie der Marschall de

Vannes die Stadt um freien Durchzug für den Counetable, seine

Garde und eine Compagnie zu Fuss verlangte, während die Armee

auf einem anderen Wege den deutschen Fürsten zu Flülfe kommen

sollte, war nicht das Geringste vorbereitet, nicht die leiseste Besorgniss

kund gegeben, sondern man hatte sogar die Büi'ger aufgefordert,

sich zu Hause zu halten, bis man einen Beschluss gefasst

habe, offenbar in der Absicht, dass sie nicht noch rechtzeitig

der Ueberrumpelung entgegentreten und sie im Entstehen erstickten.

Inzwischen aber öffnete man dem Connetable die Thore und nun

führte dieser die verrätherische Ueberrumpelung aus, indem er

nicht blos mit einer Compagnie einrückte, sondern seine ganze

Armee mitbrachte. Als man immer grössere Schaaren Truppen

dem Thore nahen sah, verlangten die Bürger vergebens, dass man

die Thore schliesse, und ein im Dienste der Stadt stehender

Schweizer Kapitän warf dem Herrn von Vannes die Schlüssel mit

dem Ausrufe: „Alles ist verloren^' an den Kopf, aber das landesverrät

herische Bündniss der Metzer Herren mit den Franzosen

hatte gesiegt: die Stadt Metz war in der Gewalt des Connetable

Herzogs von Montmorencj und damit die Freiheit der Stadt für

Jahrhunderte verloren. Es geschah dies am 10. April 1552.

Der König, welcher selbst nicht an das so leichte Gelingen

seines Plans geglaubt hatte und in Joinville zurück geblieben war,

eilte auf die Nachricht davon sofort herbei und hielt am 18. April

durch das Thor St. Thiebault seinen Einzug, begleitet von dem

hohen Adel seines Reichs, und wurde vom Mattre-echevin und den

Dreizehnern daselbst feierlich empfangen , worauf er in die Käthe-

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