Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

222 !'• Topographie.

drale sich begab und dort feierlich auf das Evangelium schwor,

die Freiheiten und Rechte der Stadt zu erhalten. Aber sofort Hess

er die Dreizehner zwingen, ihm den Eid der Treue zu schwören,

nur der Maiire- echevin, der dies nicht thun wollte, legte eher

seine Würde nieder und ward sofort durch den reichen Bürger

Tallange ersetzt, offenbar gegen die eben beschworenen Rechte,

da er zu gar keiner der Paraiges gehörte. In der Stadt selbst

verbreitete sich inzwischen die grösste Aufregung und man stiess

allerseits Verwünschungen gegen diesen Frevel aus, aber gegen

die Uebermacht liess sich nichts machen, und als der König am

22. abreiste, um dasselbe auch an Strassburg zu versuchen, das

jedoch vorsichtiger war, keine so verrätherische Bürger hatte

und ihm die Thore verschloss, setzte er den Herrn von Gonnor

als Gouverneur in Metz ein und liess eine hinreichende Besatzung

zurück, um die Stadt im Zaume zu halten. Was dem Könige

übrigens nicht mit Strassburg gelang, ei'reichte er dagegen in den

übrigen der drei Bisthümer, die er so mit leichter Hand gewann

und fortan bei seinem Reiche behielt.

Der niederträchtige Handstreich des Franzosenkönigs hatte

sofort

den deutschen Fürsten dessen wahre Absichten klar gemacht

und deshalb vereinigten sie sich wieder mit dem Kaiser durch den

Vertrag von Passau, und letzterer setzte Alles in Bewegung, um

Metz wieder zu nehmen, denn er erkannte zu sehr, wie dasselbe

der Hauptstützpunkt des Reichs im Westen sei. Er schützte zu

diesem Behufe vor, er wolle den Markgrafen Albrecht von Brandenburg

bekriegen, aber Heinrich II. war zu sehr ftir seinen Raub

bedacht, dass er irgend etwas versäumt hätte, denselben rechtzeitig

sicher zu stellen. Er schickte deshalb den Herzog von Guise

als obersten Befehlshaber nach Metz, um so rasch als möglieh die

vernachlässigten Festungswerke wieder in Stand zu setzen und zu

verstärken. Sofort wurde dies Werk mit ungemeiner Energie in

Angriff genommen, die vor der Stadt liegenden Vorstädte mit

vielen Klöstern und Kirchen wurden abgetragen, namentlich die

Werke zwischen dem deutschen Thorc und St. Tliiebault, wo mau

den Angritr erwartete, vermehrt und verstärkt, eine Menge Leben.<

mittel aus der ganzen Umgegend in die Stadt geschafft, die unnützen

Einwohner uus derselben entfernt und Alles uufgebolen,

lun Metz so fest als mitglich zu machen, so dass es auch eine

lange Belagerung aushalten konnte. Der Herzog beaufsichtigte

(luticj die Arbeiten überall unermüdlich und half sogar nunu-lnnul

selbftt mit. Angeblich hätten auch die Mctzer selbst ebenso eifrig

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