Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

'

1. Stadtkreis Metz. 223

dazu beigetragen, was aber bilh'g zu bezweifeln ist und höchstens

durch gute Bezahlung und Zwang bewirkt sein konnte.

Gegen Ende September vernahm man, dass Karl V. über

den Rhein ging und über Zweibrücken gegen Metz vorrücke,

worauf Guise sofort alle Mühlen in der Umgegend niederreissen

Hess und alle seine Soldaten in die Stadt zurückzog. Auch bekam

er nun den Zuzug einer Menge französischer OfTiciere und Herren,

übertrug diesen die Aufsicht über alle Einzelnheiten des Commando's

und vereinigte endlich Mitte October eine Garnison von 4500 Mann

Infanterie, 444 Pferden und 900 Gendarmen in der Stadt. Die

Armee des an der Gicht leidenden Kaisers, unter dem Oberbefehle

des Herzogs von Alba, eines der berühmtesten Generale seiner

Zeit, war inzwischen über Forbach und Etangs angerückt und

erschien am 19. October vor den Mauern der Stadt, wo sogleich

der Herzog von Alba eine Recognoscirung veranlasste, gegen

welche Guise ein Corps Scharfschützen ausschickte. Am andern

Tage liess Alba ein Lager bei Grimont schlagen, verhielt sich

aber bis Ende des Monats wegen seiner Vorbereitungen ruhig,

während Guise diese Zeit benützte, um diese Festung weiter zu

verstärken und mehrere Ausfälle zu machen. Es zeigte sich später,

dass Alba mit dieser Verspätung sehr viel versäumte, indem sein

Unternehmen dadurch immer schwieriger wurde; sie war auch um

so weniger nöthig gewesen, als er 14,000 Mann Infanterie und

4000 Mann Reiter bei sich hatte und sofort daran gehen konnte,

die Laufgräben zu eröffnen. Wahrscheinlich hoffte er, dass inzwischen

die deutsch gesinnten Einwohner der Stadt sich aufrafften,

um ihm die Hand zu reichen. Erst am 3L October setzten

sich seine Truppen bei Belle-Croix fest und begannen die Tranch^en

zu eröffnen, an welchen trotz des Feuers der Festung 5(X)0 Mann

arbeiteten. Als Alba jedoch sah, dass hier die Festung zu stark

war und die auf den Kirchen aufgestellten Kanonen sich sehr

wirksam zeigten, gab er am 2. November ganz in der Stille diese

Arbeiten auf und verlegte sie vor das Thor Mazelle und bald

darauf sogar noch weiter gegen

die Mosel vor das Thor Serpenoise

und den Thurm d'Enfer, wo die Stadt am wenigsten stark befestigt

war. Aber sofort liess an diesem bedrohten Punkte Guise

die Verstärkungsarbeiten um so energischer fortsetzen, und je

mehr die Belagerer vordrangen , um so stärker wurde die Ver-

theidigung. Auf der Moselseite blieb der Zugang anfangs so ziemlich

frei, bis die Belagerer auch diese schlössen. Am Abende des

9. November eröfTneten die Kanonen das Feuer auf die Stadt und

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine