Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

booksnow2.scholarsportal.info

Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

226 11- Topographie.

Dreizehner ernennen werde, bestimmte sofort den Michael Praillon

zum Vorsteher der Stadt und entliess die Paraiges mit den harten

Worten : er werde sie lehren , künftig die Lust und den Geschmack

an den Worten vom sehr heiligen Kaiser, dem sehr heiligen Kaiserreich

und dem kaiserlichen Kammergericht zu Speier, die sie immer

im Munde führten, zu vergessen und an ihre Stelle die braven

Namen des sehr christlichen Königs, der sehr gefürchteten königlichen

Majestät, der unüberwindlichen Krone Frankreichs und des

souverainen Hofs von Paris zu setzen.

Die Metzer wussten nun, wo sie

daran waren, und geriethen

in die äusserste Bestürzung ; der bisherige Maitre-^chevin Androuin

Roussel fiel in eine heftige Krankheit und starb schon nach zw^ei

Tagen; von den bisherigen Rechten und Freiheiten der Stadt war

nicht mehr die Rede und der vom Könige auf das Evangelium

geleistete Eid erwies sich als Lüge und Meineid. An Stelle des

bisherigen Magistrats traten einfache Beamte, meistens aus Frankreich

herbeigeholt, die Paraiges wurden aufgelöst und der grösste

Theil ihrer Mitglieder wanderte nach anderen Städten aus, vorzüglich

nach Strassburg. An ihrer Stelle wurden die drei Stände

des Adels, Clerus und der Bürger eingeführt, die man zwar

wegen Ernennung von Beamten und Yertheilung der Auflagen

von Zeit zu Zeit befragte, welche aber im Grunde nur zu genehmigen

hatten, was ihnen von oben vorgeschrieben wurde.

Der Gouverneur war in allen Dingen allmächtig und ein französischer

Präsident entschied über Streitigkeiten zwischen Bürger

und Militär.

Am Hofe sah man nun allerdings ein, dass der Besitz von

Metz von der ganzen Welt nur als ein Raub angesehen werde,

und daher suchte man nach irgend einem Titel, um der l^esitznahme

einen, wenn auch nur scheinbaren, l\echtsgrund zu geben.

Herr von Vieilleville war ganz der Mann dazu hier zu helfen und

er zettelte dafür eine ganz eigenthümliche Intrigue an. Er vermochte

nämlich den Bischof dazu, beim Kiuiige das angebliche

Kecht des Bischofs an die Stadt und deren Besitz, als von jeher

ihm zustehend und nur unrechtmässig entzogen, geltend zu machen

und zurück zu verlangen, und als dies geschehen, musste sodann

der Titularbischof Franz von Beaucairc diese Rechle an der Stadt

nebbt ihrem Gebiete, das '2(15 Dörfer, Weiler und Gehöfte umfiiHHte,

dem Könige als (Jeschenk übertragen, was im Januar I5r)()

der Stadt vorHlaiid und im März auch diiH DotnkapittrI beslätigon

mussten. Von deutsclMT Seil«- rrni» mnii übrigens die Absicht nicht

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine