Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 227

auf, Metz wieder zu gewinnen, und die Schwester des Kaisers, die

Regentin der Niederlande, benutzte 1555 gern die Gelegenheit um

den Versuch zu machen, Metz wieder in die Hand gespielt zu erhalten.

Der Guardian eines Klosters der Cordeliers in Metz Namens

Leonard versprach ihr das Unternehmen einzuleiten, als

Mönche verkleidet nach und nach eine Anzahl Soldaten in sein

Kloster in der Stadt einzuschmuggeln und an einem zu bestimmenden

Tage einen Tumult zu erregen, eine Anzahl Häuser in

Brand zu stecken und im Lärm die Thore dem Grafen Mesgue zu

öffnen, der sich mit Truppen dazu in der Nähe bereit halten sollte.

Allein Herr von Vieilleville erhielt durch seine Spione Kunde von

der Absicht, entdeckte die im Kloster versteckten Soldaten, wartete

der angekündigten zwei Cordeliers am Thor von Diedenhofen ab,

nahm sie gefangen, worauf sie Alles gestanden, und iiel über die

Truppen des Grafen Mesgue her, die er mit grossem Verluste zurückschlug.

Die Soldaten wurden aus der Stadt nach Diedenhofen

entlassen , zwanzig Mönche und der Guardian in den Thurm Enfer

gesperrt und der Letztere zur Erdrosselung verurtheilt, welcher er

aber durch Selbstmord zuvorgekommen sein soll, während man

die übrigen Mönche an den Pranger stellte und aus der Stadt verbannte.

Ungeachtet dieses Misserfolgs suchte Graf von Mesgue

bald darauf, als Vieilleville in Urlaub war, eine neue Gelegenheit

zu ähnlichem Unternehmen auf, welche ihm auch zwei Soldaten

aus der Provence darboten ; aber Vieilleville entdeckte nach seiner

Rückkehr die Sache zu frühe, verhaftete die Rädelsführer und suchte

sogar in ähnlicher Weise den Grafen selbst in einen Hinterhalt

zu locken. Die zwei Hauptverschworenen wurden sodann geviertheilt,

drei Soldaten lebendig gerädert und ein Dutzend andere

gehängt. Als Vieilleville bald darauf wegen Krankheit Metz verlassen

musste, brach abermals eine Meuterei unter der Garnison

aus, weil man ihre Löhnung nicht bezahlte, und erst seine Rückkehr

stellte auch die Ruhe wieder her. Bald darauf fasste er den

Plan auch Diedenhofen zu erobern und der Herzog von Guise

der das Cömmando übernahm, bekam am 22. Juni diese Stadt

in seine Gewalt und für die ausgetriebenen Bewohner derselben

siedelten sich darin Metzer und Franzosen an, was den französischen

Besitz erleichtern sollte. Doch wurde Diedenhofen im Frieden

von Chäteau - Cambresis wieder an die Niederlande zurückgegeben

und nun die neuangesiedelten Einwohner wieder vertrieben.

Als König Heinrich H. am 10. Juli 1559 starb, richteten die

Metzer dringende Beschwerden an seinen Nachfolger Franz H.

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