Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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II- Topographie.

verlangten die Enthebung von der Verpfliclitung dem Militär Mübel

und "Wohnung zu geben, das Recht wieder Münzen zu schlagen und

überhaupt die Wiederherstellung und Bestätigung der alten Rechte

und Freiheiten und Franz II. gab ihnen auch eine günstige Antwort.

Aber als er am 15. December 1560 starb, wollte sein Kachfolger

Karl IX. nichts mehr davon wissen und der furchtbare

Druck und die ewigen Unruhen der selten bezahlten Soldaten

dauerten fort, was natürlich das französische Regiment den Bürgern

nur um so verhasster machte, zumal man auch durch Verfolgung

der Protestanten die noch vorhandene Aristokratie sehr

unwillig machte. Herr von Vieilleville liess den Protestanten daher

seineu Schutz angedeihen, bis diese 1558 aus Lausanne und dem

Elsasse zwei Prediger kommen Hessen, die zwar nur in einem

Privathause, jedoch bei offenen Thüreu predigten, und er dann in

seinem katholischen Eifer diese Prediger wieder vertrieb. Die Aufregung

der Bürger stieg daher auf den höchsten Grad, als der

Marschall im Jahre 1561 den Bau einer Citadelle begann, die

lediglich nur bestimmt war, die Stadt energisch im Zaume zu

halten. Um die Bürger einigermasseu zu beschwichtigen, versprach

er den Katholiken, die Excesse seiner Soldaten streng zu unterdrücken

und erlaubte den Protestanten eine Kirche in dem Festungsterrain

zu erbauen und zwei vertriebene Geistliche wieder zu berufen.

Aber erst nach der Abberufung von Vieilleville fasste der

Protestautismus wieder festen Fuss in der Stadt, die inzwischen

wieder Streitigkeiten mit Lothringen hatte und diese nur durch

verschiedene Geldgewährungen und eine Obligation für ;JO,(IOO Gul*

den an den König beilegen konnten. Da auch hohe Beauite Protestanten

waren, so verbreitete sich der Protestantismus sehr.

Priester, Mönche und Nonnen verheiratheten sich und 15(53 wurde

sogar der Protestant Franz von Ingenheim Matlre-echevin. Es

wurde nun in Metz ein evangelisches CoUeg und selbst eine Buchdruckerei

angelegt, was natürlich die katholischen Priester zu um

so heftigeren Protestationen und Angrillen antrieb. In Folge derselben

enstand 15()7 ein Aufsstand, wobei die Protc.staulon eich bewalfneten,

die Plätze besetzten und selbst die Citadelle haben bedrohen

wollen, BO dass die Mönche und viele Einwohner flohen.

Herr von Ausance, welcher Haupt der Kalvinisten war und der

Urhel)er der Bewegung gewesen sein sollte, beschwichtigte zwar

(licKclbe wieder, aber als plr»tzlich Miirschall von Vieilleville zur

IkTMlelhuig der Ordnung ziirücUknm, wdllle man ihm die Thore

nicht lUliiün, worauf Herr von Ausauce die drei Stände versam-

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