Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 229

meJte, zur Ordnung und respektvollem Empfange des Herzogs

mahnte und heimlich die evangelischen Priester entliess. Doch ermächtigte

Vieilleville dieselben zum Bleiben, setzte nur einige

andere Beamte ein, entliess aber die protestantischen Soldaten und

es begann nun eine heftige katholische Reaction, in Folge deren

man den Prediger Candole eines Tages ermordet im Bache von

Vallieres fand. Die Katholiken sprengten nachher aus, Ausance

habe die Absicht gehabt, aus Metz ein zweites Genf zu machen,

aber diese Beschuldigung war so sinnlos, dass sie unmöglich auch

nur die geringste Begründung haben konnte.

Nachdem der Frieden zwischen dem König und der kalvinistischen

Partei in Frankreich nicht lange gewährt hatte, kam der

König mit einem starken Heere am 13. Februar 1569 nach Metz,

wo er bis zum 12. April blieb und nach dem Siege von Jarnac

die protestantische Kirche abreissen und die Ausübung des evangelischen

Kultus verbieten Hess, der nur noch in Courcelles-

Chaussy stattfinden durfte. Auf mehrfach vergebliche Gesuche beim

Könige um Wiedereröffnung des evangelischen Gottesdiensts in Metz

konnten die Protestanten nichts weiter erhalten als die Erlaubniss

in Montoy eine zweite Kirche zu erbauen. Die Nachricht von den

Gräuelthaten der Bartholomäusnacht erregte daher auch in Metz

Furcht und Schrecken, zumal als man vernahm, dass einer ihrer

Haupturheber, der Marschall Retz, als Gouverneur nach Metz

komme; doch warf er sich blos auf Bekehrungen durch Jesuiten

und nahm auch bald seine Entlassung. Als König Karl IX. starb

und 1574 Heinrich HI. zum Nachfolger erhielt, wandten sich die

Metzer mit ihren zahllosen Beschwerden in vielen Eingaben an

denselben, bekamen aber nur begütigende Antworten, die zu

nichts führten, denn die Beschwerden wurden nicht abgestellt,

die von den Protestanten in der Rue de la Chevre erbaute Kirche

1576 wieder geschlossen und auch mit Lothringen gab es wieder

Händel wegen gegenseitiger Beschwerden und endlich riss der

königliche Präsident auch die Rechtspflege in bürgerlichen Sachen

an sich und kam dann noch die Pest hinzu, welche die Verbindung

der Stadt mit den umliegenden Ländern ganz unterbrach.

Der neue Gouverneur, Herzog vonEpernon, welcher in Metz

einen prächtigen Hofhalt errichtete, änderte an dem Verhältnisse

zwischen Katholiken und Protestanten nichts, aber unter seinem

Nachfolger gewann wieder die ganze Härte gegen die Protestanten

die Oberhand und es wurden deren 87 aus den öffentlichen Aemtern

entfernt, worunter 6 aus den Dreissigern, 8 Echevins und

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