Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 231

Stadt und die Abgaben aufgebraucht und sogar das Spital seiner

Fonds beraubt habe, so dass dem armen Volke nichts mehr übrig

bleibe als allein der gute Willen.

Solchem Andrängen gab der König endlich nach und schloss

Frieden mit Lothringen. Auch gewährte er den Protestanten einige

Vergünstigungen. Der neue Präsident Batilly und der Generalprokurator

Peter Joly waren Protestanten, der König hob das

Verbot des evangelischen Gottesdienstes auf, die Protestanten wurden

wieder zu den Aemtern zugelassen und unter den Dreizehnern befanden

sich abermals acht Mitglieder derselben, aber auf das Andringen

der Katholiken hielt der König in seinen weiteren Schritten

ein und seine unablässigen Geldforderungen an die Stadt erregten

sogar in derselben einen Aufruhr. Erst das Edikt von Nantes vom

April 1598 erlaubte den Protestanten auf der Insel Chambi^re eine

Kirche zu erbauen, auch erhielten sie die Erlaubniss ein Consistorium

zu errichten. Aber auf die Beendigung des Kriegs folgten

nur wieder neue Ausschreitungen des Militärs, das nicht bezahlt

wurde und sich daher Plünderungen, Erpressungen und andere

Gewaltthaten erlaubte. Dazu kam , dass der neue Königslieutenant

im Vertrauen auf die Dienste, die er dem Könige geleistet, die

Einwohner ungerecht und tyrannisch behandelte und selbst den

Generalprokurator Peter Joly und den Stadtschreiber Praillon einstecken

liess. Als der König von letzterem Vorgange hörte, Hess

er die beiden Angeschuldigten nach Paris kommen und ihre Sache

vor dem Parlamente verhandeln, das sie für gänzlich unschuldig

erklärte; auch sandte er den Herzog von Epernon nach Metz, um

die Bürger mit Sobolles auszusöhnen. Diese brachten bei ihm

eine lange Reihe von Beschwerden vor, welche den Königslieutenant

der Bedrückung, Beraubung der Bürger und Spitäler, unbefugter

Einmischung in die Attribute des Magistrats, vieler Insulten

und Freiheitsberaubungen der

Bürger und Unterstützung der Ausschreitungen

der Soldaten ziehen. Als Sobolles auch auf Epernons

Vermittlung nicht einlenken wollte und die Bürger mit einer Belagerung

der Citadelle drohten, entschloss sich endlich der König

Ende Januar 1603 selbst nach Metz zu kommen, hatte mit beiden

Sobolles zu Mouliiis eine lange Unterredung und kam endlich nach

Metz, wo er sehr feierlich empfangen wurde. Im März wurden

nun die Sobolles entlassen und dem Könige schien es überhaupt in

der Stadt zu gefallen. Von da ging er nach Nancy, um mit dem

Herzoge von Lothringen einen Vertrag zu schliessen, auch kam er

noch zweimale, 1G04 und 1606, nach Metz, wo er ein Paria-

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