Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

234 II. Topographie.

zwischen dem Parlament und dem Gouverneur, welcher das Parlament

überhaupt nicht gerne sah. Der Letztere veranlasste sodann

den König am 10. Mai 1636 die Verlegung des Parlaments nach

Toul zu befehlen, was als Strafakt galt. Nach anfänglichem

Weigern ging es endlich im April 1637 nach Toul. Während

nun in Metz so ziemlich jeder Religionskultus noch viele Freiheit

hatte, sah die Stadt die Truppen des Marquis von Feuqui^res zur

Belagerung von Diedeuhofen ziehen und nach deren schweren

Niederlagen den Ueberrest und die Verwundeten sich in ihre

Mauern retten. ' Nachher zog sich der Krieg jedoch \neder aus

dem Lande.

Als nun Metz suchte seine Wunden wieder zu heilen, wollte

der König 1641 wieder eine neue Auflage auf den Wein legen,

wogegen die Metzer energisch protestirten , aber der König nahm

das Edikt erst wieder zurück, als die Bauern die Commissäre,

welche die Steuer einrichten sollten, bei der Durchreise durch

Jouy mit Steinen und Gewehrschüssen empfingen und sie verjagten.

Die Regierung des Königs selbst nahte jedoch ihrem Ende;

nachdem der Kardinal im December 1642 gestorben war und den

Kardinal Ma zarin zum Nachfolger hatte, starb auch Ludwig XIIL

am 14. Mai 1643 und es folgte auf ihn Ludwig XIV., der so viel

Unheil über Frankreich brachte. Die Metzer waren so kindisch,

von ihm ihre Freiheiten und Rechte bestätigen zu lassen, von

welchen doch nichts mehr bestand. Unter dem neuen Könige vermehrte

sich der Druck durch Abgaben und Lasten noch stärker

und als die Metzer sich weigerten, den Anforderungen des Intendanten

zu genügen, erklärte ihnen der Gouverneur von Lothringen,

er würde sie durch das Militär dazu zwingen. Darüber drohte

ein Aufruhr auszubrechen und das Volk Hess auch seinen Groll

an einem verhafteten und verdächtigen Fremden ans, den Herr

von Serignan, ein Oberbeamter, wieder freigelassen hatte. Das

Elend dauerte überhaupt bis zum westphälischen Frieden, 1648,

welcher die endgültige Abtretung von Metz an Frankreich brachte.

Auf den Frieden folgte der Bürgerkrieg der Fronde und der

Krieg in den Niederlanden, aber sie berührten Metz nur von ferne.

Als der letztere sich bis nach M(uitmc(ly zog, das 1(557 genonunen

wurde, kam der König selbst am 18. September nach Metz mit

der Kr»nigin, «einer Mutter, dem Her/oge von Anjou und dem

Mininlcr Mazarin nebst grossem Gefolge und wurde am Thore des

l'ont-d('H-M(irtH feierlich empfangen, l^'r sah hier verschiedene (irosaen

und (»enrindte und reiste erst am '11. October wieder ab. Das

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