Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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^^' Topographie.

zung, es wurden zu seiner Rettung Messen gelesen, Gebete gehalten

und die Geistlichen kamen nicht aus der Kirche. Da er

seine Maitresse bei sich hatte und dem Tode nahe schien, da

schritt endlich der Herzog von Chartres ein, um diesem Scandal

ein Ende zu machen, verlangte die Entlassung der Maitresse, indem

er dem König seine wahre Lage mittheilte, erhielt dieselbe

und Hess auch die Königin kommen, die am 17. eintraf, aber

nachdem schon zwei Tage zuvor eine Wendung zum Bessern in

der Krankheit eingetreten war. Die Wiedergenesung des Königs,

dem man den Beinamen der Vielgeliebte gab, wurde mit ebenso

grosser orientalischer Ueberspanntheit gefeiert und der König reiste

am 29. September zur Armee, nachdem er in höchst schmutziger

Weise die Umgebung für ihren Eifer belohnt hatte. Von da au

kehrte der Frieden bald wieder zurück, aber 1753 trat eine arge

Missernte ein und die drei Stände mussten ein Anlehen von 300,000

Livres machen, um Getreide im Auslande anzukaufen.

Der Bischof

St. Simon gab auch 30,000 Livres dazu, aber sonst rief er in Metz

vielen Aerger hervor, denn er war streit- und proeesssüchtig und

die Händel endigten erst 1760 mit seinem Tode. Auch der siebenjährige

Krieg ging an Metz ohne weitere Ereignisse vorüber, aber

die Wirlhschaft in Frankreich in Folge des ausschweifenden, liederlichen

Lebens des Königs, die langandauernde Hurenwirthschaft am

Hofe und die von den Steuerpächtern künstlich erhaltene Theuerung

stürzten Frankreich in tiefes Elend. In den Jahren 1770 und

1771 verbot das Parlament die Getreideausfuhr und es mussten

grosse Magazine angelegt werden, aus welchen an die Stadt und

die Dr)rfor 1,200,(XX) Plund Brod abgegeben wurden, um sie an

die Bedürftigen zu vertheiien. Dazu kam, dass die Regierung mit

den Parlamenten in Zwist kam und gegen diese einschritt. So

wurde auch am 2L October 1771 das Parlament von Metz aufgelöst

und zwar gerade zu einer Zeit, wo man seine traurigen Anfänge

vergass und es die Achtung des Volks zu gewinnen begann.

Endlich starb denn auch Ludwig XV. am 10. Mai 1774, vom ganzen

Lande venvünscht und in

seinem Tode noch verhöhnt und entehrt.

Mit vieler Hollnung begrüssten die Metzer den neuen Kimig

Ludwig XVL und den Bemühungen der Metzer Abgesandten

Röderer und Emmery unter Mithülfe des neuen Gouverneurs Broglie

gclanß es endlich im S('j)temlier 1775 die Wiedorherstcllung des

Fnriument« von ihm zu erwirlu'ii, was auch wieder in übertriebener

Weise durch Festliciikeiten gefeiert wurde. Die Stadt,

welche doch des Geldes nicht zu viel halte, gab hundert Greisen

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