Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

242 II. Topographie.

hei^ing, verhielt sieh Metz ziemlich ruhig, zumal die Linientruppen

unter Herrn von Bouille hauptsächlich aus Schweizern bestanden

und königlich gesinnt Avaren, und Bouille bat sogar den König,

sich nach Metz zurückzuziehen, bis wieder Ordnung herrsche.

Nach Aufliebung der Privilegien der Provinzen und Städte erfolgte

im Februar 1790 die Eintheilung des Landes in 90 Departements,

die man nach Bergen oder Flüssen benannte, um die Erinnerung

an die früheren Verhältnisse zu verwischen, sowie in Arrondissements

und Kantone, und in Metz wurde der Gemeinderath geändert

und mit 20 Adeligen, 20 Geistlichen und 40 Mitgliedern des

dritten Standes besetzt. Es wurde hier auch eine Nationalgarde

errichtet, wozu übrigens schon früher ein Anfang vorhanden gewesen

war , aber es entstanden alsbald Reibiuigen zwischen ihr

und der Bürgerschaft und die Verhältnisse des Landes wie das

Gebahren des Pöbels veranlassten eine erhebliche Auswanderung

der Vornehmen. Nach vereinzelten Soldatenemeuten gab es auch

in Metz eine Revolte, indem das Volk und selbst Militär sich

gegen den verhassten Intendanten Depont erhob, dem eine Frau

aus dem Volke, bekannt als la grande Mayollc , schon einen Strick

um den Hals geschlungen hatte, als das Militär ihn befreite. Die

Metzer Garnison und Nationalgarde hielt sich dann aber tapfer,

als sie nach Nancy zogen und die dortigen revolutionären Regimenter

bezwangen.

Nun folgte der p]inzug und Verkauf der Güter des Clerus

und der Emigranten, wogegen alle Protestationen nichts halfen.

Die Klöster und Abteien in Metz verloren dadurch ihren Besitz

und bei deren Auihebung ging sogar Vieles von ihren Schätzen,

Büchern und Manuscripten verloren. Als man 1791 den Priestern

den Eid abverlangte, wurden viele Eidesverweigerer entlassen und

sogar eingesperrt, der Metzer Hischof Monlmorency begab sich

nach Trier und später nach Altona und der Pfarrer Franyois von

Künigsmachern wurde zu seinem Nachfolger ernannt. Bei der Umgestaltung

der Justizpflege erhielt Metz ein Civiltribunnl luid fünf

Friedenegerichte , sowie ein Handelsgericht und auch die Stelle des

Maitre 6chevin, weiche Bürger Maujeau seit 1783 bekleidete, ging

ein. Bald darauf verlor die Stjult den Connnandanten Bouille und

seine Regimenter, nachdem dieselben die Flucht des Kiuiigs unterstützt

hatten; ersterer musste tliehen, letztere wurden verlegt und

um eine Wiederholung des Fluchtversuchs zu vereiteln, drohten

die Metzer sogar die (.'itadelle zu zerstitreii.

Nach Abfassung der Constitution wurde dieselbe feierlich in

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