Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 247

noch weniger der Fall, zumal mit seinem reactionären , verhassten

Ministerium Villele, dem endlich 1828 der freisinnigere Graf Martignac

folgte. Dieser vermochte den König zu einer Reise nach

den östlichen Landestheilen und auch am 3.— 5. September mit

dem Dauphin nach Metz, worauf die Akademie wieder ihren alten

Titel erhielt,

allein der König bezog die Beliebtheit seines Ministers

auf sich selbst, entliess ihn wieder und berief sodann das krasse

Reactionsministerium Polignac, welches durch seine Ordonnanzen

vom 26. Juli 1830 die Revolution und die Vertreibung der Bourbonen

herbeiführte. Der Präfekt von Metz, der nach Trier verreist

war, kehrte auf die Nachrieht davon zurück, musste sich

aber vor dem Hasse der Bevölkerung verbergen. Bei officiellem

Bekanntwerden der Pariser Nachrichten übernahm sofort

der Baron

Älarchant die Geschäfte der Präfektur und Bouchotto die Mairie

und die Trikolore erschien wieder auf der Kathedrale an Stelle

der weissen Fahne. Nur die Linientruppen folgten nicht sofort

dem Beispiele, sondern warteten erst die Nachricht von der Abdankung

des Königs ab. Alsbald kamen auch die Metzer Zöglinge

der Pariser polytechnischen Schule, welche am Strassenkampfe

Theil genommen hatten, nach Metz und wurden mit Festen gefeiert,

auch folgten nun wieder Reden und Paraden nach. Vorher

hatten (ibrigens die Soldaten des sechsten Artillerieregiments ihrem

Commandeure das Mobiliar zerschlagen und die Fahne weggenommen.

Unter der Juliregierung bildete sich in Metz zunächst die

Presse ihre eigenen Parteien: Gazette de Metz et de Lorraine war

Organ der Legitimisten ,

ITndependant der Orleanisten und Courrier

de la Moselle kehrte sich gegen beide Parteien und diente also

den Republikanern und Napoleonisten zugleich. Neben den Ausschreitungen

der Presse erschienen auch solche des Volks , wie

auch zu Metz im Mai 1831 gegen den Maire Chedeaux und einige

andere Beamte. Am 10. Juni kam Louis Philipp mit seinen Söhnen

nach Metz, wurde gut empfangen und es folgte eine Menge rednerischer

Begvüssungen und Verdankungen, wobei der König z. ß.

dem Redner des Municipalraths, der ihm politischen Rath zu geben

und für die Polen zu sprechen begann, einfach erwidern musste,

den Magistrat gehe die Politik ganz und gar nichts an, und dem

Sprecher der Nationalgarde, der selbst erklärt hatte, nicht deren

Commandeur zu sein, musste der König erklären, dass die bewaffnete

Macht nicht zum Deliberiren da sei, und er Hess ihn daher

auch mitten in seiner Rede stehen. Bald darauf brachten die An-

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