Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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^^- Topograpliie.

als am 2o. Juli das grosse Hauptquartier in Metz eintraf und sieh

im europäischen Hof niederliess, wo sämmtliehe Angelegenheiten

vor aller Welt verhandelt wurden. Am 28. kam daselbst auch

der Kaiser an und erliess sofort die Proelamation an die Rheinarmee.

Am andern Tage besuchte er die Forts und das Lager

bei St. Avold und am 2. August ging er mit dem Prinzen an die

Gränze ab, wo sie der ersten Besehiessung von Saarbrücken beiwohnten.

Allein er kehrte sofort wieder nach Metz zurück und

wurde daselbst alsbald durch die Nachricht von den Niederlagen

bei Wörth und Spicheren festgehalten, denn sofort trat an die

Stelle der Siegeszuversicht die Ueberzeugung ein, dass nun jedenfalls

der Osten Frankreichs schwer mehr zu halten sein werde

und der Kampf unter die Mauern von Metz ziehen müsse. Alsbald

richtete man sich daselbst für die Aufnahme von vielen Verwundeten

ein, und es wurden an die Stadt selbst bedeutende Forderungen

gestellt, welchen dieselbe nicht nachkommen zu können

erklärte, obschon sie zu Allem breit war, was sie zu leisten vermochte.

Sie errichtete ausserhalb der Stadt Baracken für 2(XX)

Kranke, schoss dafür 160,000 Frcs. vor und eine Privatsammlung

ergab weitere 87,000 Frcs. Aber dies war nur der Anfang der

Leiden und diese sollten von nun an in steigendem Masse auftreten.

Die weiteren Ereignisse sind als bekannt vorauszusetzen.

Die Schlachttage von Noisseville, Rezonville und St. Privat zwangen

die Armee, bei Metz zu bleiben, denn die eiserne Umklammerung

zu durchbrechen, war nicht mehr möglich. Der Kaiser wur am

15. nach dem Innern abgereist und Bazaine halte das Überkommando

übernommen, während in der Stadt Cofl'initires kommandirte

Die Zahl der Verwundeten und Kranken nahm täglich zu, alle

verfügbaren Gebäude waren zu Lazarethen eingerichtet und selbst

Eisenbahnwaggons zu solchem Zwecke auf der Esplanade aufgehteilt.

Auch unter den Civileinwohnern der Stadt nahmen die

Krankheiten und Sterblichkeit zu, namentlich als die Vorräthc

von Lebensmitteln ausgingen und man zu Pferdefleisch seine Zuflucht

nehmen musste. Bald gab es kein Salz mehr und künstliche

Ersatzmittel halfen nicht viel^ auch regte es sieh sehr bcdtnklicli

unter dem Militäre selbst, und als man sodiuin den Ausgang

des Kampfs von Sedan vernahm, da musste auch die letzte

IlofTriung auf Entsatz sinken. Um die Mitte October konnte man

bereit« den 'lag berechnen, wo Armee und Einwohniirscliaft dein

Hunger erliegen mussten, und als endlich das Aeuseorste herangenaht

war, blieb nicht« Anderes mehr übrig, als die Kapitulation

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