Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

1. Stadtkreis Metz. 257

die Geldgeschäfte der Metzer , der Luxus ruinirte ihre Vermögensverhältnisse,

Einzelne scheuten sich nicht mehr, Pensionen von

Frankreich anzunehmen, der Bestechung waren alle Thore geöffnet,

und als die Ueberrumpelung geschehen, war sogar die

reichste Familie der Gournais so herabgekonimen , dass der neue

Landesherr die Stadtbehörde ersuchte, einen der letzten derselben

durch eine Pension zu unterstützen.

Sodann war in dem Gemeinwesen wenig republikanische EntwickeluDg

zu erblicken, denn zu jeder Zeit theilten sich in die

Herrschaft nur wenige Familien, und es konnten sich nicht einmal

die Gewerbe zu tüchtigen Corporationen ausbilden. Während des

ganzen Verlaufs der Metzer Geschichte hatten die 265 Dörfer und

Weiler des Pays inessin

niemals einen ernstlichen Versuch gemacht,

auch einigen Antheil oder irgend eine Vertretung in der Regierung

zu erlangen. Dadurch aber konnte ein wirklicher Gemeinsinn sich

nicht entwickeln und dem Landvolke lag am Ende wenig daran,

wem es die Abgaben bezahle, der Metzer Regierung oder dem

Könige von Frankreich, wenn es nur die Gewissheit erhielt, nicht

mehr alle paar Jahre geplündert zu werden und seine Dörfer niedergebrannt

zu sehen. Selbst der kriegerische Sinn der Bevölkerung

musste abnehmen, als die Kriege fast nur noch durch fremde Söldlinge

geführt wurden.

So fiel die französische Vergewaltigung in eine Zeit, wo ein

ernstlicher Widerstand nicht mehr zu erwarten war und die inneren

Kämpfe in Deutschland dem Kaiser nicht erlaubten, erhöhte Aufmerksamkeit

der Westgränze zuzuwenden und dort für energische

Aufrechterhaltung der Reichsgewalt zu sorgen, denn keiner der

benachbarten Fürsten war stark genug, dass man ihn damit beauftragen

konnte. Ja, als Karl V. auf die richtige Idee gekommen

und selbst von Metzern darin bestärkt war, in Metz einen tüchtigen

militärischen Gouverneur einzusetzen, wusste ihm dies der

kurzsichtige Minister Granvella wieder auszureden,

und der richtige

Augenblick ward versäumt. Die französische Herrschaft wusste

sich dagegen sofort energisch zu sichern. Tüchtige Gouverneure

führten den Oberbefehl und befestigten die Stadt auch gegen eine

innere Bewegung, und zur Besetzung der Stellen sandte man

Schaaren von Beamten aus Frankreich und die Bürgerschaft musste

noch diese und das Militär unterhalten. Kein Wunder daher, dass

die besten und kernhaftesten Bürger die Stadt verliessen und auswanderten

und damit die Bürgerschaft noch mehr herunterkam.

Der Maitre-echevin hatte sein altes Ansehen verloren und hatte blos

Huhn, Deutsch -Lothringen. 17

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