Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

258 II- Topographie.

die Befehle der Oberen auszuführen, ein grosser Abstand eröffnete

sich zwischen den Beamten und der Bürgerschaft, welche die

Lasten nicht mehr zu ertragen vermochte, und nur der Klerus

hatte den ganzen Vortheil davon, denn er erhielt nicht blos alle

seine Besitzungen und Einkünfte garantirt,

sondern sah auch seinen

Eintluss und seine Macht vergrössert, da die französischen Könige

ganz dem klerikalen Einfluss untergeben waren und sogar ihre

Minister aus der hohen Geistlichkeit nahmen. Sogar die Geldgeschäfte

gingen nun den vermöglicheren Metzern verloren, denn

mit den Franzosen kamen auch die Juden in die Stadt und nahmen

diese Geschäfte in Alleinbesitz. Wir sehen daher unter der neuen

Herrschaft nicht blos die Lasten und Bedrückungen ungemein

steigen und die Auswanderung sich mehren, sondern auch der

frühere unabhängige Sinn ging verloren und an seine Stelle trat

byzantinische Schmeichelei und Kriecherei vor den neuen Potentuten,

vor denen sich das Volk an Unterwürfigkeit überbot, wie

der Empfang mehrerer französischer Könige zeigte.

Der Rest der

Blüthe und des Unabhängigkeitsgeists war nur noch in der protestantischen

Einwohnerschaft der Stadt erhalten und die französischen

Gewalthaber sahen zu wohl ein, dass auch dieser Theil noch überwunden

werden müsse, um das Gebäude der neuen Herrschaft zu

vollenden. Die Protestanten entwickelten in diesem Widerstandskampfe

eine ruhmvolle Zähigkeit und Energie und suchten auch

noch das letzte Terrain zu behaupten. In Metz, wo niemals

Wissenschuft und Literatur eine Pflege fanden und über das der

berühmte Agrippa bei

seinem Weggange den bekannten Ausspruch

that, dass Metz die Stiefmutter aller Wissenschaft sei, hier suchten

die Protestanten auch die geistigen Waffen zu ihrem Schulze ins

Feld zu führen und gründeten ein rasch aufblühendes Collegium,

das ihnen die geistige Ueberlegenhcit sichern musste. Aber die

ultrumontaDe Partei setzte ihnen nickt blos ein katholisches Collegium

entgegen, sondern veranlasste auch bald ein Verbot der

protestantischen Anstalt und ihrer eigenen Schule wurde dann der

Boden wieder entzogen, indem man sie Klostergeistlichen in die

Hände gab, wodurch sie wieder zum Range einer gtrw('»hnlichen

Klosterschule herab.sank. Endlich fiklirte man auch noch den letzten

Schlag gegen die l'rotCHtanten, indem das Edikt von Nantes aufgehoben

wurde und man die Protestanten durch entsetzliche Plackereien

und (^uulen zur Bekehrung zu zwingen suchte. Aber sie

zogen licl>er aus dem Lande und dasselbe verlor in kürzester Zeit

die Hälfte «einer Bewohner und mit ihnen den kenntniHsrcichstcn,

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