Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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IJ- Topographie.

I^age setzt sie in deu Stand, einen grossen Theil des Zwischenhandels

zwischen Frankreich und Deutschland zu vermitteln und

ebenso Mittelpunkt einer Industrie zu werden, welche alle jene

Zweige kultivirt, worin die Franzosen so sehr hervorragen und

mit deren Produkten sie ganz Deutschland versorgen kann. Endlich

wird jetzt schon dem Lande jede Gelegenheit geboten, Landwirthschaft

und Viehzucht, wofür es alle Vorbedingungen so reichlich

besitzt, von dem althei-gebrachten Standpunkte bedeutend in

die Höhe zu heben und zur grössten Rentabilität zu bringen und

es bedarf nur des ernstlichen Willens, um diesem Ziele möglichst

rasch entgegen zu gehen. Für den künftigen materiellen Aufschwung

sind wir also nicht bange und was das geistige Leben

betrifft, so müssen auch heute schon die Franzosen anerkennen,

welche Fortschritte das Schulwesen bereits in den wenigen Jahren

gemacht hat.

Die frühere deutsche Herrschaft ist den meisten Leuten freilich

nur aus dunkler Sage und den Meldungen der Geschichte bekannt

und sie werden sich erst nach und nach klar machen, dass

die jetzige staatliche Bedeutung und Macht Deutschlands auf

t^ichereren und stärkeren Grundlugen als jene Frankreichs beruht.

Aber die Erkenntniss wird schon kommen und die Zeit auch dafür

versöhnend wirken, dass die Wiedervereinigung des Landes mit

Deutschland mancherlei Bande getrennt hat, welche so Viele mit

Familien und Verhältnissen Frankreichs verknüpft hatten. Auch

diese brauchen ja unter der deutschen Herrschaft nicht zerrissen

zu werden, erkennt man dieselbe nur voll und rückhaltslos an

und arbeitet man nur getreulich mit am Ausbau der inneren freiheitlichen

Entwicklung und der geistigen Höherbildung, wozu alle

Vorbedingungen in Deutschland gelegt und befestigt sind, ohne

daas man befürchten müsste, ein verdummender Einlliiss des Klerus

werde sie wieder stören oder gar eine staatliche Uniwiilzung sie

vernichten, wie dies so oft in Frankreich geschehen ist und auch

ferner nicht ausbleiben .wird. Wir hegen daher auch für Metz

und Deutsch-Lothringen die besten Hoffnungen und gewiss werden

dieselben niuiit getäuscht werden, wenn auch noch fUr mehrere

.lahre einige widerhaarige Elemente diese Zukunft noch so düster

auszumalen versuchen.

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