Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

2. Landkreis Metz. 265

zehn Bauern so tapfer vertheidigt wurde, dass man ihnen freien Abzug

gewährte. Der hohe Thurm wurde erst 1809 abgetragen. Während der

EinSchliessung hatten die Preussen hier eine Beobachtungsstation.

Ban- St. -Martin, Dorf auf der linken Seite der Mosel, unterhalb

vom St. Quentin und vor dem Moselfort von Metz, davon nur

1 Kilom. westlich entfernt, mit 88 Häusern, 103 Familien, 380 Einw.,

mehreren Villen, Garten-, Gemüse- Obst- und Weinbau, gehörte

zu Lothringen. Der Ort verdankt seine Entstehung und den

Namen der einst berühmten Benediktinerabtei St. Martin, welche

schon im siebenten Jahrhundert bestand, da 613 der heilige

Komarik darin die Visitation vornahm. Es hiess damals St.

Martin -aux-Champs und wurde vom zehnten Könige Sigisbert

von Auslrasieu wieder hergestellt und bereichert, der auch darin

begraben wurde. Lothar, Sohn Ludwigs des Verschwenders, besuchte

das Kloster 841 , dessen Abt ihm die Evangelienbücher

abschrieb. Als Kaiser Heinrich II. 1009 Metz belagerte, wurde

die Abtei von den Slaven zerstört, welche sechs Jahre lang die

Gegend verheerten. Um die Abtei zu entschädigen, schenkte ihr

der Kaiser eine erhebliche Summe und die Mönche verlegten nun

(las Kloster von der Berghöhe in die Ebene. Die Kirche wurde

1U63 vollendet, war eine der reichsten und schönsten und hatte

120 Säulen, 70 Fenster, 8 Thore, mehrere Thürme und im Innern

eine grosse Anzahl Elfenbeintafeln und goldener Kronen. Ban-

St.-Marlin gehörte nebst dem Dorfe zu Lothringen, welches dem

Abte die Investitur ertheilte, ohne dass dazu eine päpstliche Bulle

verlangt wurde. Weil nun der 1427 zum Abte erwählte Nicolaus

Chaillot eine solche Bulle nachsuchte, ward der Herzog beleidigt

und es entstanden in der Abtei selbst Streitigkeiten, welche Perrin

d'Haussonville dazu benützte, um die Absetzung von Chaillot zu

versuchen, der sich in sein Haus zu Metz zurückzog. Wegen eines

Korbs voll Aepfel, die derselbe sich aus dem Klostergarten bringen

Hess, entstand ein grimmiger Streit. Die Leute des Herzogs verlangten

nämlich für die Aepfel die Ausfuhrabgabe, wogegen die

Metzer dem Abte verboten, dieselbe zu bezahlen, worauf der Herzog

mehrere Einfälle in das Metzer Land machte und mit 10,000

Mann vor Metz erschien, jedoch mit denselben bis Pont-ä-Mousson

vertrieben wurde. Die Metzer fielen nun über Dorf und Abtei her,

zerstörten

80—120 Häuser und Hessen Anfangs nur die Kirche und

und verwandten

die Basilika stehen, zerstörten 1430 aber auch diese

die Steine dazu, um das Wehr Wadrineau in der Mosel zu erbauen.

Ja die Metzer verboten sogar, als man im Orte die

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