Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

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Deutsch-Lothringen, Landes- Volks- und Ortskunde

368 n. Topographie.

Zur Gemeinde gehört das Haus Maison-Neuve an der Rotte und

die Mühle von Ho Ilacourt, an einem Weiher.

Krieclliligeil fCn'hangeJ , Dorf zu beiden Seiten der deutsehen

Nied, an der Strasse von Metz nach Faliienberg, von diesem

2 Kilom. westlich, mit Kirche, 124 Häusern, 138 Familien, 570 Einw.,

wobei 1 Evangelischer und 110 Israeliten, Getreidebau und Viehzucht,

2 Mühlen, Brücke über die Nied und Resten eines alten

Schlosses, sowie Bildsäulen eines Grafen von Kriechingen und

seiner Frau in der alten Sacristei der Kirche, war einst Hauptort

einer Grafschaft des deutschen Reichs, welche erst 1793 an Frankreich

kam und diesem im Lüneviller Frieden bestätigt wurde. Von

hier schrieb sich ein einst reiches und mächtiges Geschlecht, dessen

erster Burkard von Kriechingen 1239 vorkommt, wo er in der

Schlacht bei Gaza gefangen wurde. Theils durch Erbschaft, theils

durch Kauf erwarben sie nach und nach einen grossen Besitz von

17 festen Schlössern, 40 Herrschaften und noch andere Lehen,

wovon freilich ein Theii durch Verpföndung und Verkauf wieder

verloren ging. Einer der Herren trat frühe der Reformation bei,

Johann Ludwig, der 1665 seinen Bruder Casimir im Walde erschoss,

wurde aber wieder katholisch. Als Max Ernst von Kriechingen

1697 ohne männliche Erben starb, fiel Kriechingen , das 1617 von

Kaiser Matthias zur Grafschaft erhoben worden war, durch seine

Tochter Anna Dorothea und die Enkelin Louise Charlotte an deren

Gemahl Grafen von Wied-Runkel, welches Geschlecht durch den

Lüne^^lle^ Frieden ftlr den Verlust von Kriechingen am Rhein

entschädigt wurde. Die Familie Kriechingen hatte sich in zwei

Linien getheilt, diejenige von Kriechingen, welche evangelisch

war, und die Linie von Chilteau-Brehain , welche katholisch wurde

und als Erbe eines Theils der Besitzungen eintrat. Kaiser Karl IV.

wohnte 1356 auf seiner Reise nach Metz im Schlosse. Dieses war

alt und im dreizehnten .lahrhunderte sehr fest. Es hatte eine dreifache

Umwallung mit 17ThUrmen, das Schloss wurde aber schon

1432 verbrannt, 1(533 wieder zerstört und endlich 1733 ganz in

Trümmer gelegt. An seiner Stelle liegt jetzt zwischen den liefen

(iräben ein (Jarten. Die letzten (irafen bewohnten jedoch nicht

mehr da« Schloss, sondern ein Privathaus im Orte, gegenüber der

Mühle. Schon 1651 hatte man es franzi'jöischerseits versucht, die

Uerrschaft als Lehen des Bisthums Motz zu erklären, wofür auch

die königliche Kammer sich 1680 aussprach; allein der Frieden

von HvHwick stellte die Beichsunmittelbarkeif der Grafschaft wieder

her. MurMcliall (/Vecjui halte 1677 nach Kriechingen eine Besatzung

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